{"id":1623,"date":"2009-10-28T19:58:47","date_gmt":"2009-10-28T17:58:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.minasfaer.de\/forum\/blog.php\/?p=1623"},"modified":"2009-10-28T19:58:47","modified_gmt":"2009-10-28T17:58:47","slug":"dutybound","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/?p=1623","title":{"rendered":"Dutybound"},"content":{"rendered":"<p><em>Vor zweieinhalb Jahren&#8230;<\/em><!--more--><\/p>\n<p><em>Die Frage, die Cinlir Winthallan an diesem Abend am meisten besch\u00e4ftigte, war von allen Fragen, die er sich bisher zu stellen hatte, wohl die mit Abstand am schwierigsten zu beantwortende: Wie machte man einer Frau, die sich soeben gezwungen sah ihn zu heiraten klar, dass man nicht vor hatte auf das erste, \u00e4lteste und h\u00f6chste Recht eines Ehemannes nicht zu bestehen gedachte? Und das zu allem \u00dcberfluss auch noch so, dass au\u00dfer Frage stand ob er ihre Ehre kr\u00e4nken wolle, schlie\u00dflich lag ihm nichts fernen als das.<\/p>\n<p>Zugegeben, der Wein hatte nicht wirklich geholfen den Denkprozess zu f\u00f6rdern. Es war eine Hochzeit. Man hatte getanzt, gegessen, getrunken, geredet, gelacht, gel\u00e4chelt und irgendwie auf eine Art und Weise, die ihn selbst auch durch den Nebel der Feierlichkeiten \u00fcberraschte, hatte man bemerkt, dass die Frau, die ihm seit ihrer Geburt versprochen war eben doch kein Kind mehr war, sondern eine Frau. Noch dazu eine Frau, nach der sich wohl jeder Junggeselle im Raum die Finger geleckt h\u00e4tte und Cinlir gefordert, h\u00e4tte nicht jeder gewusst wie sinnlos das gewesen w\u00e4re. Ihre Reize und Vorz\u00fcge waren ihm nicht entgangen. Anf\u00e4nglich hatte er noch geglaubt, es w\u00e4re eben auch nur das gewesen. Allerdings hatte er auch schon andere Frauen fleischlich begehrt. Und mit dieser hier im speziellen war es irgendwie&#8230; anders.<\/p>\n<p>Die Haltung, mit der er so nachdachte, war ebenso ung\u00fcnstig gew\u00e4hlt. Cinlir stand an die T\u00fcr des Schlafgemachs gelehnt, die Arme gewohnt locker vor der Brust verschr\u00e4nkt und betrachtete seine Frau, die ihm die gleiche Art L\u00e4cheln schenkte, wie er es schon so oft auf den Lippen seiner Mutter gesehen hatte. Interessant wie sich die Perspektive eines Mannes im Laufe seines Lebens \u00e4nderte. &#8220;W\u00fcsste ich es nicht besser, euer Gnaden, ich w\u00fcrde denken, ich st\u00fcnde zum Verh\u00f6r.&#8221; Das M\u00e4dchen &#8211; ihm fiel unweigerlich wieder ein, wie jung seine Frau war, im Vergleich zu ihm &#8211; hatte eine ebenso ruhige, beruhigende Stimme wie seine Mutter. Nur j\u00fcnger. Und es schwang noch etwas anderes mit, das er nicht einzuordnen vermochte, sah man davon ab, dass er es, bewusst oder nicht, anziehend fand. &#8220;Wir sind verheiratet.&#8221;, warf Cinlir viel zu n\u00fcchtern ein und fing sich damit fragende Blicke ein. Er besann sich, erkl\u00e4rte. &#8220;Ich glaube nicht, dass wir eine Ehe mit &#8216;euer Gnaden&#8217; bestreiten sollten.&#8221; Immerhin. Ihr L\u00e4cheln wurde einen Hauch w\u00e4rmer. Das tat gut. &#8220;Dann&#8230; Darf ich dich zu mir bitten, Cinlir.&#8221; Die Erziehung des M\u00e4dchens zahlte sich also aus. Sollte sie auch nur den Hauch von Furcht haben, lie\u00df sie sich zumindest nichts anmerken. Daf\u00fcr waren ihre Worte f\u00fcr ihn trotz der Tatsache, dass er eigentlich nichts lieber getan h\u00e4tte, wie eine viel zu kalte Dusche.<\/p>\n<p>Unzufrieden mit sich selbst \u00fcber die Tatsache, dass ihm nach wie vor nicht die richtigen Worte eingefallen waren, wandte Cinlir seinen Kopf gen Fenster und starrte hinaus. Er konnte ihren Blick auf sich ruhen sp\u00fcren. Ihren Blick&#8230; Ihren &#8211; &#8230; Dann fiel ihm ein, wie diese Geste f\u00fcr sie gewirkt haben musste. Sie musste glauben, sie w\u00fcrde ihm nicht gefallen. Also ruckte der Kopf wieder in ihre Richtung. Zu schnell. Ertappt wirkend. Im Moment war er mindestens zehn Jahre j\u00fcnger. Wahrscheinlich mehr. Er f\u00fchlte sich \u00e4hnlich \u00fcberfordert wie bei der ersten Frau, die er hatte. Nur war er damals ungleich j\u00fcnger gewesen. Und er hatte niemandem auch nur ein Wort von eben jener Unsicherheit berichtet. Besagte Frau wiederum hatte entweder nichts bemerkt, oder schlicht die G\u00fcte oder Wei\u00dfheit besessen niemandem gegen\u00fcber etwas zu erw\u00e4hnen. Jedenfalls soweit es ihm bekannt war.<\/p>\n<p>Wenn er noch lange schwieg, w\u00fcrde die Wahl der Worte egal sein. Es half also nicht. Er musste reden. Und er musste es jetzt tun. &#8220;Ihr&#8230;&#8221; Nein, falscher Anfang. Er r\u00e4usperte sich, korrigierte. &#8220;Du hast diese Ehe nicht gewollt. Man hat sie dir anerzogen, seitdem du geboren bist. Das wei\u00df ich.&#8221; Gut, der Anfang war wohl nur bedingt schonend. Aber immerhin sah ihn seine neue Frau noch ruhig und aufmerkam an. Und immernoch mit diesem gl\u00e4sernen L\u00e4cheln. &#8220;Mit dem Segen der Valar gab man dir einen alten Mann.&#8221; Nur, dass er sich eben so gar nicht alt f\u00fchlte. Alt &#8211; alt, das waren Leute wie &#8211; wie ihr Vater! Er jedenfalls nicht. Aber f\u00fcr sie musste es zweifelsfrei so aussehen. &#8220;Und da ich \u00e4lter bin wei\u00df ich, dass man morgen pr\u00fcfen wird, ob unsere Verbindung konsumiert wurde.&#8221; Unweigerlich schweifte sein Blick gen Bett. Er h\u00e4tte sich nie tr\u00e4umen lassen, dass er mal mit soetwas \u00e4hnlichem wie Abscheu an eine Nacht mit einer Frau denken w\u00fcrde. Wenn auch nur Abscheu dar\u00fcber sie vollziehen zu m\u00fcssen, nicht die Frau selbst. &#8220;Da ich \u00e4lter bin &#8211; wei\u00df ich aber ebenfalls, dass es Mittel gibt andere zu den richtigen R\u00fcckschl\u00fcssen kommen zu lassen&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Stille. Er hatte die Worte kaum gesprochen, da fragte er sich bereits, welcher Teufel ihn geritten hatte. Sybell war in jeder Form gef\u00e4llig genug. Warum, bei Mordors Schatten, sollte er sich diese Frau verwehren? Es war sein Recht, seine Pflicht, sein Wunsch! Und nichts und niemand hatte Recht oder Anlass zwischen ihr und ihm zu stehen. Andererseits hatte man sie nicht gefragt. Und mit keinem Wort hatte sie erw\u00e4hnt, dass sie etwas an ihm fand, was auch sie begehren konnte. Und dieser Umstand lie\u00df ihn stocken. Sollte nicht gerade seine Frau etwas an ihm finden, das man als erstrebenswert, begehrenswert ansehen k\u00f6nnte? Und wenn sie es nicht fand, mit welchem Recht sollte er sich ihr, ausgerechnet ihr, dann aufzwingen?<\/p>\n<p>Das Rascheln des wei\u00dfen Stoffes ri\u00df ihn aus seinen \u00dcberlegungen. Ehe er es sich versehen hatte, stand seine Frau vor ihm, sah ihn direkt an. Das L\u00e4cheln war verschwunden. Dennoch lag in ihrem Blick eine seltsame Milde, die er so nicht kannte. &#8220;Cinlir Winthallan&#8230; Mein Ehemann&#8230;&#8221;, setzte sie an in dieser ruhigen, wohltuenden Stimme. &#8220;Man hat uns beide zu dieser Ehe gezogen. Und wir kennen beide die Pflichten, die mit ihr einhergehen. So, wie sie nicht auf &#8216;euer Gnaden&#8217; gebaut sein sollte, so sollte sie es auch nicht darauf als ersten gemeinsamen Schritt die Namen unserer H\u00e4user zu verraten.&#8221;<\/p>\n<p>Sie war in jeder Form gelungen. Weit mehr, als er es sich bis dahin bewusst gemacht hatte. Denn in diesen wenigen Worten hatte sie eben genau die Worte gefunden, die ihn v\u00f6llig entwaffneten, ihn an seine Position erinnerten und ihm schlu\u00dfendlich keine Wahl lie\u00dfen als Ost Agar nachzugeben. Dies alles tat der Gehalt ihrer Worte. Ihr Klang wiederum lie\u00df ihn ihre Wange ber\u00fchren, zart wie er noch nie eine Frau ber\u00fchrt hatte, trotz der omnipr\u00e4senten Handschuhe. &#8220;Lass mich deine Narben sehen&#8230;&#8221;, hauchte sie ihm entgegen. Ihre geschulte Stimme lie\u00df ihn jede Unsicherheit in ihren Augen \u00fcbersehen, lie\u00df ihn die leichte Anspannung ihrer Muskeln nicht bemerken. All das Pflichtbewu\u00dftsein ihres Blutes. &#8220;Ihre Geschichte ist dein.&#8221;, erwiderte er kaum lauter als gefl\u00fcstert.<\/p>\n<p>Es war eine ruhige Nacht. Eine sehr Stille. Er hatte keine Geschichten gehabt, die er ihr hatte erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Und sie hatte keine Narben gefunden. Seine Lippen hatten ihren Schmerz zu schm\u00e4lern gewusst. Den Beweis f\u00fcr sein unzweifelhaftes Vorhandensein w\u00fcrden die Diener bald finden.<\/p>\n<p>Er hatte getan, was m\u00f6glich war. Getan, was n\u00f6tig war. Und sich nun, an die Decke starrend, damit abgefunden, dass es wohl eben ein sehr professionelle Form von Ehe sein w\u00fcrde. Sah sich damit konfrontiert es so gar nicht zu wollen. Sp\u00fcrte eigenen Schmwerz, den er weder erkl\u00e4ren, noch teilen konnte. Schlo\u00df schlie\u00dflich die Augen in Resignation und mit seiner Zukunft ab.<\/p>\n<p>Bis er eine leichte, bleiche, zierliche Hand auf seiner Brust sp\u00fcrte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zweieinhalb Jahren&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1623","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cinlir-winthallan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1623","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1623"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1623\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1623"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1623"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1623"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}