{"id":176,"date":"2009-06-12T21:50:54","date_gmt":"2009-06-12T19:50:54","guid":{"rendered":"http:\/\/charblogs.eternalevil.de\/?p=176"},"modified":"2009-06-12T21:50:54","modified_gmt":"2009-06-12T19:50:54","slug":"ein-leben-zuvor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/?p=176","title":{"rendered":"Ein Leben zuvor"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auch am Morgen lag Martin lange wach, ehe er sich auch nur dazu \u00fcberreden wollte aufzustehen. Er starrte geistesabwesend die Decke an. Wei\u00df. Alles nur wei\u00df. Nach wie vor keine Antworten. Nur das tiefe Bewu\u00dftsein etwas wissen zu sollen, es aber nicht zu tun.<!--more--><\/p>\n<p><em>Xyviel&#8230;<\/em> Er schreckte auf. Aus Instinkt weit mehr als aus Notwendigkeit heraus griff er nach seinem Handy auf dem Nachttisch. &#8220;Hey, Kleines.&#8221;, murmelte er leise in den Empf\u00e4nger, obwohl er nie ein Gespr\u00e4ch angenommen hatte. &#8220;Alles ok?&#8221; Sein L\u00e4cheln war m\u00fcde und abgek\u00e4mpft &#8211; aber aufrichtig.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn er ehrlich war gab es diese Ehe schon seit Monaten nicht mehr wirklich. Vielleicht sogar seit Jahren. Aber nun da seine Frau Jessica in seinem Appartment vorbei gekommen war &#8211; nicht mehr das kleine beschauliche Haus, das sie zusammen bewohnt hatten; dort war kein Platz mehr f\u00fcr ihn, hatte sie ihm gesagt &#8211; lagen zwei Dokumente vor ihm auf dem Tisch: Zum einen die gerichtliche Beschlu\u00df \u00fcber Sandras zuk\u00fcnftigen Verbleib. Man hatte ihrer Mutter bis auf weiteres das Sorgerecht zugesprochen. Ihm blieb also der Umgang. Aber was war das schon, im Vergleich? Das zweite Schreiben waren nichts geringeres als die Scheidungsunterlagen.<\/p>\n<p>Beide Papiere schnitten tief. Tiefer als er zugeben wollte. Und das an sich war schwer genug, denn tief gab er gern zu. Er w\u00fcrde Sandra also nur noch an Wochenenden sehen. Alle zwei Wochen, wenn er Gl\u00fcck hatte. Seiner Einsch\u00e4tzung nach wesentlich weniger. Jessica w\u00fcrde es nicht zulassen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gab sie ihm die Schuld. Die alleinige Schuld. Auch das hatte sich nie wirklich ge\u00e4ndert. Au\u00dfer dem Urknall pers\u00f6nlich gab es wenig, woran Martin nicht direkt oder indirekt mitschuldig war. In diesem Fall war es aber anders. Jemand hatte f\u00fcr seine Frau spioniert. Und so hatte dieser jemand von einer Kundin aus Europa erfahren&#8230;<\/p>\n<p>Eine Kunden, die Martin immer leicht vergessen konnte, wenn er nicht bei ihr war. Aber immer wenn er sie sah war es, als w\u00fcrde er sich einfach so v\u00f6llig neu in eine fremde Frau verlieben. Es war ihm ein R\u00e4tsel wie der Privatdetektiv herausgefunden hatte wie es um ihn stand. Er hatte nie \u00fcber seine Gef\u00fchlslage gesprochen. Mit absolut niemandem. Nichteinmal Miss M\u00e4rbaum selbst. Gel\u00e4chelt hatte er, artig genickt und schlicht sein absolut Bestes f\u00fcr sie getan. Zumindest was ihre Konten und Buchhaltung anging. Und in diesen wenigen Augenblicken in denen sie ihn voller Lebensfreude, Zuversicht und allgemeiner Schalkhaftigkeit anl\u00e4chelte &#8211; in diesen wenigen Augenblicken hatte er wieder soetwas wie Gl\u00fcck empfunden. Diese seltene Art Gl\u00fcck wie er sie sonst nur empfand, wenn sich Sandra freute, weil er ihr etwas aus Europa mitbrachte oder sie zusammen etwas unternahmen.<\/p>\n<p>Mit dieser Distanz war er immer gl\u00fccklich gewesen, auch wenn er sich stets insgeheim mehr gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Dennoch war sie au\u00dferhalb seiner Reichweite. Und er wu\u00dfte genau sie verga\u00df ihn jedesmal, sobald sich die T\u00fcr hinter ihm schlo\u00df. Aber vielleicht&#8230; vielleicht nur w\u00fcrde sie nicht hinter seinem R\u00fccken seinen Namen verfluchen. Vielleicht w\u00fcrde sie manchmal sogar bemerken, da\u00df er, Martin Finn, sich ihretwegen M\u00fche gegeben hatte. Und da\u00df diese M\u00fche f\u00fcr etwas gut gewesen war. Selbst wenn es nur die sch\u00e4bigen Zinsen auf einem schweizer Nummernkonto waren.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Ich bin bald zur\u00fcck, Kleines. Wir gehen dann zusammen zu Sebastiano&#8217;s&#8230; Ich wei\u00df doch, da\u00df es dir da gef\u00e4llt.&#8221; Finn legte das Handy beiseite. Sein L\u00e4cheln verflog ebenso schnell wie es gekommen war.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch am Morgen lag Martin lange wach, ehe er sich auch nur dazu \u00fcberreden wollte aufzustehen. Er starrte geistesabwesend die Decke an. Wei\u00df. Alles nur wei\u00df. 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