{"id":182,"date":"2009-06-15T14:32:35","date_gmt":"2009-06-15T12:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/charblogs.eternalevil.de\/?p=182"},"modified":"2009-06-15T14:32:35","modified_gmt":"2009-06-15T12:32:35","slug":"zwiespaltzunge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/?p=182","title":{"rendered":"Zwiespaltzunge"},"content":{"rendered":"<p><strong>Endlich hatte sich die Kleine wieder gemeldet. Immerhin verschaffte das ihrem Vater &#8211; oder dem, der davon \u00fcbrig war &#8211; ein L\u00e4cheln f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten. Das aber wohl nur, weil ihn niemand st\u00f6rte. Wie auch. Er hatte beschlossen die Welt um sich herum einfach f\u00fcr ein paar Augenblicke zu ignorieren. Bedachte Xyviel wie wenig davon \u00fcbrig war, fiel das gar nicht so schwer.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Jessica hatte sich wieder in Fahrt geredet. &#8220;Was f\u00fcr eine Art Mann bist du eigentlich, Martin?! Erst steigst du mit dieser Europ\u00e4erin -&#8221; Halblaut unterbrach Martin seine Frau. &#8220;\u00d6sterreich, Schatz&#8230;&#8221; Aber sie h\u00f6rte ihn nicht. &#8220;- ins Bett! Und dann?! Dann kriegst du es nichtmal hin zu sagen wie oft! Ist doch nicht zu viel verlangt das zu erfahren, so als betrogene Ehefrau, oder?!&#8221;<\/p>\n<p>Die Antwort lautete: Gar nicht. Zugegeben, Martin konnte sich nicht davon freisprechen sich das, was ihm seine Frau gerade vorwarf nicht das ein oder andere Mal vorgestellt, manchmal sogar gew\u00fcnscht, zu haben. Aber er hatte nichts dergleichen getan. Auf die Idee w\u00e4re er gar nicht gekommen. Immerhin war die Beziehung zwischen besagter Klientin und ihm rein gesch\u00e4ftlicher Natur. Auch wenn ihr L\u00e4cheln ihn immer glauben lie\u00df es w\u00e4re anders.<\/p>\n<p>&#8220;Kannst du vielleicht wenigstens antworten?&#8221;, fuhr ihn Jessica an. Ein tiefes Seufzen das in seiner Natur zweifelsfrei den ganzen \u00c4quator h\u00e4tte umspannen k\u00f6nnen folgte. M\u00fcde sah er zu seiner Frau auf. Niedergeschlagen. Abgek\u00e4mpft. Seine Frau hatte ihr Urteil l\u00e4ngst gef\u00e4llt, das sah er. Keine Erkl\u00e4rung dieser Welt h\u00e4tte sie auch nur im Ansatz milde stimmen k\u00f6nnen. Und er war zwar gutm\u00fctig, nicht aber dumm genug das zu glauben.<\/p>\n<p>Seine Stimme klang nunmehr unglaublich flach. Tonlos. &#8220;Sowas h\u00e4tte ich nie getan, Jessica&#8230; Ich liebe dich.&#8221; Und er meinte es, meinte es genau so. Nur wu\u00dfte er l\u00e4ngst, da\u00df nur einer von beiden hier liebte. Und er wu\u00dfte, da\u00df sie das was er sagte l\u00e4ngst nicht mehr empfangen konnte. Kein L\u00e4cheln mehr dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Felicitas M\u00e4rbaum h\u00e4tte sicher gel\u00e4chelt. Sie l\u00e4chelte immer. Er kannte sie eigentlich gar nicht anders, egal welche Nachrichten er ihr \u00fcber die derzeitigen Aktienkurse brachte. &#8220;Das Gl\u00fcck ist mit den Dummen, Mr. Finn.&#8221; Das sagte sie immer, wenn die Kurse besonders zu ihren Ungunsten standen, rollte und zog die Silben in einer Art, die er so nicht kannte und l\u00e4chelte ihn aufmunternd an. Ganz als glaube und wisse sie: Sie zu entt\u00e4uschen w\u00e4re das schlimmste f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p><strong>Martin Finn hatte Felicitas M\u00e4rbaum nie ohne L\u00e4cheln gesehen. Xyviel hatte es ihr genommen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich hatte sich die Kleine wieder gemeldet. Immerhin verschaffte das ihrem Vater &#8211; oder dem, der davon \u00fcbrig war &#8211; ein L\u00e4cheln f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Minuten. Das aber wohl nur, weil ihn niemand st\u00f6rte. Wie auch. Er hatte beschlossen die Welt um sich herum einfach f\u00fcr ein paar Augenblicke zu ignorieren. 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