{"id":2670,"date":"2011-07-26T15:35:48","date_gmt":"2011-07-26T15:35:48","guid":{"rendered":"http:\/\/fatebook.eternalevil.com\/?p=2670"},"modified":"2011-07-26T15:49:17","modified_gmt":"2011-07-26T15:49:17","slug":"the-winthallans-4-9-broken-man","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/?p=2670","title":{"rendered":"The Winthallans 4.9 &#8211; Broken Man"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>The bravest thing you can do when you are not brave is to profess courage and act accordingly.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Corra Harris<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Je l\u00e4nger er \u00fcber diesen verteufelten Abend nachdachte, desto mehr sah sich Cinlir Winthallan gezwungen seinem j\u00fcngeren Bruder Nanndir Recht zu geben: Er, F\u00fcrst und Herzog und noch Stadtrat einer Stadt die er hasste, hatte an nur einem Tag Torheiten begangen, die er sonst in f\u00fcnf Jahren nicht begangen h\u00e4tte. Und warum? Weil die Heimat lockte und ihn dieser Ruf hatte unvorsichtig werden lassen. Er zahlte daf\u00fcr mit Bettruhe, die, jedenfalls seitdem Cinlir Giselhers vorwurfsvollen Blick gesehen hatte, sogar eingehalten wurde.<\/p>\n<p>An jenem Tag hatte er also zu einem Fest geladen. Ein Fest die eigene Abreise zu feiern. Ein Fest f\u00fcr die Heimat, die man endlich wieder sehen w\u00fcrde. Aber auch ein Fest f\u00fcr all jene, die man hinter sich lassen wollte oder musste.<\/p>\n<p>Bereits zu Beginn des Festes hatte sich ihm ein Waldl\u00e4ufer vorgestellt. Der Mann hatte noch w\u00e4hrend der Begr\u00fc\u00dfung um ein Gespr\u00e4ch gebeten. Cinlir hatte zugestimmt. Warum auch nicht. Eine letzte milde Tat ehe man dieses Land hinter sich lie\u00df. Und die Frage und Bitte des Mannes war einfach genug gewesen. Er erkundigte sich, ob das verlorene K\u00f6nigreich nun zur\u00fcckgenommen w\u00fcrde. F\u00fcr Cinlir selbst war es nur bedingt von Interesse, hatte doch Haus Valdoran aus seiner Sicht weit \u00e4ltere Anspr\u00fcche. Was nicht hie\u00df, dass es nicht lohnend w\u00e4re Ailis mit einem Sohn dieses Hauses zu verheiraten. Oder, sofern man dort eine Tochter hervorbrachte, eben mit Theron. F\u00fcr den Moment jedoch gab es nicht sonderlich viel das Cinlir f\u00fcr den Mann tun konnte. Er hatte keine M\u00e4nner, die er zur\u00fccklassen konnte. Also tat er das einzige, was blieb: Er gab Faeryllian den Befehl nach einer Inventur die H\u00e4lfte an Waffen und R\u00fcstungen zur\u00fcckzulassen, damit der Waldl\u00e4ufer alle, die f\u00fcr diese Sache gewonnen werden konnten, wenigstens ausr\u00fcsten und hoffentlich ausbilden konnte. Beiden M\u00e4nnern, das hatte der Herzog in den Augen des anderen gesehen, wussten, dass diese L\u00f6sung alles andere als optimal war. Dennoch war es die einzige, die Cinlir zu bieten hatte. In einigen Monaten mochte sich dies \u00e4ndern&#8230; Auch sicherte er zu Raben voraus nach Gondor zu schicken, vor allem zu F\u00fcrstin Linbeth. Sie w\u00fcrde wissen wie der Plan des neuen, alten K\u00f6nigs w\u00e4re. Zumindest war sie eine der Personen, die es am wahrscheinlichsten wussten. Es war kein gutes Gef\u00fchl so viele Schwerter, auch ohne H\u00e4nde die sie f\u00fchrten, zur\u00fcckzulassen. Pflicht war dennoch Pflicht.<\/p>\n<p>Ein zweiter Fremder war an ihn heran getreten. Er hatte darum gebeten die Reise zur\u00fcck in die Heimat antreten zu d\u00fcrfen. Cinlir hatte Mon und Flusswieser aufgetragen sich des Mannes anzunehmen und ihn zu werten. Beide hatten dies getan und sich f\u00fcr ihn ausgesprochen. Sp\u00e4ter stellte sich sogar heraus, dass er ein f\u00e4higer Heilkundiger war. Wegen der anderen Entscheidung, die Cinlir an diesem Abend getroffen hatte, konnte eine solche Hand nur gebraucht werden. T\u00f6richt sie abzulehnen, auch wenn er ein Fremder war.<\/p>\n<p>Sogar die Frau des Hauptmannes der Stadtwache hatte sich blicken lassen. Ein Umstand, der Cinlir milde erstaunt hatte, auch wenn er von ihr wenig gesehen oder geh\u00f6rt hatte &#8211; jedenfalls bis tief in die Nacht, als ausgerechnet diese Frau mit seinen M\u00e4nnern losgezogen war um ihn aus den H\u00e4nden von Strauchdieben zu befreien. Ihn! Den man wie einen dummen Jungen der sich allein zu weit in den Wald gewagt hatte von hinten mit einem Axtknauf kampflos niedergestreckt und mitgenommen hatte. Er fragte sich, ob Derya etwas damit zu tun hatte, dass man \u00fcberhaupt nach ihm gesucht hatte. Ihm selbst w\u00e4re es lieber gewesen man h\u00e4tte es gelassen.<\/p>\n<p>Und warum? Weil er ohne Wache unterwegs gewesen war. Das nichtmal weil er es befohlen hatte, sondern weil Faeryllian im Kampf gegen den Ork immerhin bettl\u00e4gerig gepr\u00fcgelt wurde. Und Meroun? Meroun musste sich irgendwo in der K\u00fcche herumgetrieben haben, so hatte er sp\u00e4ter erfahren. Sein K\u00e4mmerer weit und breit nicht zu sehen. Aber er hatte Luft gebraucht. Viel Luft. Sp\u00e4ter, nach der Befreiung, hatte Taramer die Wache \u00fcbernommen und damit seine eigentliche Freizeit geopfert. Zugegeben, Cinlir h\u00e4tte wenig anderes von ihm erwartet. Dennoch erf\u00fcllte es ihn mit einer gewissen Art von Stolz wie schnell der Mann seine Pflicht aufgenommen hatte und schlicht seinen Dienst getan.<\/p>\n<p>Das Haus der Lichter hatte ebenfalls durch Anwesenheit gegl\u00e4nzt. Breoth Barlend und Hylea hatten noch eine Frau mitgebracht, die ihrerseits schon seit Jahren dort arbeitete. Cinlir hatte dann und wann von ihr geh\u00f6rt, sie sogar einige Male gesehen &#8211; nie aber wirklich ein Wort mit ihr gewechselt. Und auch an diesem Abend bot sich wenig Gelegenheit dies zu \u00e4ndern. Ein Umstand, den er bedauerte, schon allein weil sich eine erneute Gelegenheit sehr lange nicht bieten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mit Barlend selbst hatte er sp\u00e4ter gesprochen. Der Mann hatte Komplimente ges\u00e4uselt \u00fcber Cinlirs politischen F\u00e4higkeiten und Ambitionen. Der F\u00fcrst wiederum hatte kaum etwas davon geglaubt, entsann er sich doch zu gern der Tatsache Herzog zu sein. Wenig hatte er geahnt wie sehr sich Breoth noch an diesem Abend in ihm t\u00e4uschen w\u00fcrde. Und sogar das hatte er bedauert &#8211; einen Mann entt\u00e4uscht zu haben, der seinen Rang nicht teilte. Schon gar nicht seinen Namen. Eines jedoch hatte er f\u00fcr ihn tun k\u00f6nnen, auch wenn es nur etwas war, das sich so oder so anbot. Er hatte Carlyle nahegelegt den Mann in den Stadtrat aufzunehmen. Ihn und Rogonn Kupferberg. Erstaunlich genug wie empf\u00e4nglich Carlyle f\u00fcr diese Ideen war.<\/p>\n<p>Hylea wiederum, so hatte er entschieden, sollte im Breeland verweilen. Ein Umstand, der bitter f\u00fcr ihn schmeckte. Ihre Gesellschaft war in vielerlei Hinsicht etwas, das ihm in Gondor fehlen w\u00fcrde. Bewiesen hatte sie das erneut als sie f\u00fcr ihn sang w\u00e4hrend er, gebrochen, auf ein Lager gedr\u00fcckt wurde um den elenden Bruch seines Beines nicht noch mehr zu verschlimmern. Ihre Worte er solle nicht vergessen wer er sei waren das einzige gewesen, was ihn davon abgehalten hatte laut aufzuschreien als der Hekim die Knochensplitter aus seinem Bein gezogen hatte. So war es also Hylea gewesen, die den Ruf des Hauses Winthallans zumindest ein wenig geh\u00fctet hatte&#8230; Es war nicht \u00fcberraschend gewesen von ihr zu h\u00f6ren, dass auch sie mit Carlyle gesprochen hatte. Das erkl\u00e4rte wohl auch dessen Bereitschaft seine Worte anzunehmen.<\/p>\n<p>Der Richter hatte so oder so wenig Widerstand gegen irgendetwas gegeben, das Cinlir an diesem Abend zu sagen hatte. Was verwunderlich war. Eigentlich hatte er fest damit gerechnet, dass der Mann nun Narreteien wie \u00f6ffentliche Wahlen vorschlagen w\u00fcrde. In denen jeder B\u00fcrger eine Stimme h\u00e4tte. Am Besten gleich noch die Verbrecher mit dazu. Aber mit Kupferberg und Barlend zusammen sollte auch Carlyle die Stadt auf der richtigen Bahn halten k\u00f6nnen, egal wie sehr sich der Mann in seinen Paragraphen verstrickte.<\/p>\n<p>Dabei hatte er keine Zweifel, dass Rogonn Kupferberg zwar auf der einen Seite gl\u00e4nzte, es auf der anderen Seite seiner Medaille keineswegs tat. W\u00e4re die Sache nicht so st\u00f6rend gewesen, h\u00e4tte er Parallelen zu dem ersten Salas hergestellt. Nur wirkte Kupferberg wenigstens sympathischer als das, was er aus den Zeilen des Tagebuchs eines Toten herauslesen k\u00f6nnte. Ob der Mann den Abend schlussendlich genossen hatte vermochte er nicht zu sagen. Immerhin war er bis zum Ende geblieben, egal wie viele Familienmitglieder deren Anwesenheit er nicht sch\u00e4tze auftauchen mochten.<\/p>\n<p>Wie sich herausstellte waren das gar nicht so wenige: Finh Rattner hatte sich blicken lassen. Auch wenn man ihn am Ende zusammen mit dieser Ariannah des Grundst\u00fccks zu verweisen hatte. Ein kleiner Teil Cinlirs war gekr\u00e4nkt gewesen, weil der Mann Fianah Lebewohl gesagt h\u00e4tte &#8211; nicht aber ihm. Mehr noch hatte ihn aber die Anwesenheit der Frau gest\u00f6rt, die ihm bis zu diesem Tag den Tod eines &#8211; tja, was eigentlich? &#8211; nicht vergeben hatte. Und \u00fcberhaupt. In welchem Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis sie nun zu Kupferberg stand hatte er noch immer nicht durchdringen. Mit dieser Sophya war das leichter gewesen. Von ihr hatte er allerdings wenig mehr als ein L\u00e4cheln gesehen.<\/p>\n<p>Nur mit Nikos hatte er etwas mehr sprechen k\u00f6nnen. Der Mann schien fortw\u00e4hrend zu l\u00e4cheln. Au\u00dfer nat\u00fcrlich wenn man einen Ork t\u00f6tete. Ein Spektakel dieser Art war wohl nicht nach dem Geschmack des schauspielernden Kupferbergs. Wenig nachvollziehbar f\u00fcr einen Winthallan. Ein Ork war ein Ork und verdiente eben nur ein m\u00f6gliches Ende. Es gar nur dieses eine. Kupferberg blickte dennoch so tr\u00fcbselig drein, als h\u00e4tte man ein Dutzend Merouns erschlagen. Er sagte, es w\u00e4re aus Sorge um Drakon Meroun gewesen. Verstehen konnte Cinlir es dennoch nicht.<\/p>\n<p>Ein Lichtblick des Abends waren Cutting und Moury gewesen. Er hatte sich gerade damit abgefunden sich die meiste Zeit zu Tode zu langweilen und keine echten Mitgenie\u00dfet f\u00fcr tote Orks zu finden als die beiden in den Raum geplatzt und gewohnt lautstark ihre Anwesenheit in den Raum gebl\u00f6kt hatten. Sicher, er konnte l\u00e4ngst nicht alles dulden was die beiden so von sich gaben. Aber wenn es ihm m\u00f6glich war, dann tat er es. Der seltsame Humor der beiden lie\u00df ihn zumindest zeitweise vergessen wie sehr er das Breeland verachtet hatte. Trotzdem waren es auch nicht ihre ablenkenden Worte auf die er seine Unachtsamkeit schieben konnte. Dabei hatte Moury noch so niedlich versucht Cutting regelm\u00e4\u00dfig zum Schweigen zu bringen. Diese wiederum lie\u00df es sich aber nicht nehmen Izhkarioth wieder und wieder auf den Arm zu nehmen &#8211; ein Umstand, der Cinlir nur noch mehr am\u00fcsiert hatte.<\/p>\n<p>Rian. Rian hatte ihn erstaunt in jener Nacht. Die meiste Zeit des Tages war er von der Tatsache entnervt gewesen, dass sein K\u00e4mmerer irgendwie st\u00e4ndig etwas besseres zu tun hatte als an seiner Seite zu sein. Dann und wann hatte er sich die Zeit genommen Izhkarioth mit der Nase darauf zu sto\u00dfen und seine Reaktion &#8211; dieses aasige Winden &#8211; zu genie\u00dfen. Doch dann, sp\u00e4ter, war auch Rian unter denen gewesen, die nach ihm suchten. Gut, der Narr hatte doch tats\u00e4chlich angefangen mit diesen M\u00e4nnern zu verhandeln. Aber dennoch war auch er es gewesen, der Cinlir aufgeholfen hatte als das eigene gebrochene Bein ihn nicht mehr tragen wollte. Mit ihm zusammen war er nochmals zu Boden gegangen. Er hatte nicht damit gerechnet der Mann w\u00fcrde sich nochmal aufrappeln. Noch weniger damit, dass er ihn dann noch tragen w\u00fcrde. Aber Izhkarioth hatte ihn den ganzen R\u00fcckweg \u00fcber gest\u00fctzt. Und auch sp\u00e4ter, als sein eigener R\u00fccken l\u00e4ngst schmerzen musste wie sieben H\u00f6llen hatte er dennoch stets ohne auch nur ein Murren lebende Kr\u00fccke gespielt. Zumindest das war ihm anzurechnen.<\/p>\n<p>Ohne Sethur h\u00e4tte er es nie zur\u00fcck geschafft. Und ohne den Hekim vielleicht nicht sein Bein behalten. Sicher, Flusswieser war zugegen. Aber auch er war verletzt. Dar\u00fcber hinaus auch Drakon Meroun, dessen Leben es zu retten galt. Blieb also nur einem Fremden Vertrauen zu schenken. Manches Mal hatte er gew\u00fcnscht Jibril h\u00e4tte sein Bein einfach abges\u00e4gt und ausgebrannt. Diese Gnade schien der Mann aber nicht zu kennen oder beflissentlich vergessen zu haben. Inzwischen dankte Cinlir es wohl. Vielleicht w\u00fcrde er wieder reiten k\u00f6nnen. Irgendwann. Bereits jetzt machte er sich Gedanken wie er seine Schwert\u00fcbungen umstellen musste um weiterhin waffentauglich zu bleiben. Flusswieser w\u00fcrde nichts davon h\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p>Dieser verdammte Hinterhalt. Ein H\u00e4ndler der vorgab mit einer Karawane zu reisen, so hatte er an einen verdammten Baum gefesselt erfahren, war der Mann gewesen, den man als Spion verwendet hatte. Er war es auch, der ihn niedergestreckt hatte. Ob der Mann mit diesem Pichelstein und dessen Ork in Verbindung stand, das konnte Cinlir nur vermuten. Noch gefesselt hatte er dem Mann immer und immer wieder versucht klarzumachen, dass man nicht nach ihm suchen w\u00fcrde. Immerhin hatte er zwei Br\u00fcder und einen Sohn. Jemand konnte also leicht seine Stelle einnehmen. Wof\u00fcr M\u00e4nner riskieren um mit Strauchdieben zu verhandeln? Au\u00dferdem hatte er sich fangen lassen. Nahm man es genau, so hatte er ein Ende wie dieses verdient. Nur war das Schicksal daf\u00fcr wohl nicht gn\u00e4dig genug. Stattdessen lag er jetzt also in einem Bett und hatte sehr viel Zeit sich \u00fcber falsche Politik und schlechte Entscheidungen Gedanken zu machen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter war Nanndir nicht m\u00fcde geworden ihn darauf hinzuweisen wie schlecht genau das war, was Cinlir den Tag \u00fcber getrieben hatte. Er hatte ihm Vorhaltungen gemacht er h\u00e4tte sich verhalten wie ein zu stolzes Kind. Recht hatte er auch noch damit. Er hatte sich in den Glauben t\u00e4uschen lassen der Krieg w\u00e4re nun v\u00f6llig vorbei. Die Welt w\u00e4re friedlich. Und damit war er genau so naiv, wie er es f\u00fcr gew\u00f6hnlich Nanndir vorwarf zu sein. Nun war es ausgerechnet sein kleiner Bruder, der ihn zur Vernunft riet. Der dennoch aber ein Winthallan war und seinem Bruder eine vertraute Seele, sobald die T\u00fcren geschlossen waren und die Diener weit weg. F\u00fcr letzteres war der F\u00fcrst endlos dankbar, auch wenn man ihm auch das zweite Bein h\u00e4tte brechen m\u00fcssen um das \u00f6ffentlich zuzugeben.<\/p>\n<p>Ob die Entscheidung Fianah ihre Freiheit zu lassen eine kl\u00fcgere war? Da war er sich l\u00e4ngst nicht sicher. Hylea hatte den Vorschlag gemacht Fianah zur\u00fcckzulassen, es nach au\u00dfen als einen Befehl zu verkaufen. Und wenn man zur\u00fcckkehrte, dann k\u00f6nnte sie sich erneut in den Eid begeben. In der Zwischenzeit musste niemand erfahren, dass die daraus entlassen war. Das ganze schmeckte bitter f\u00fcr ihn. Ein Verrat an seinem Haus und jedem Winthallan vor ihm, aus seiner Sicht zumindest. Und das M\u00e4dchen &#8211; nein, Frau inzwischen &#8211; war gl\u00fccklich wie selten. Er konnte nur kurz dar\u00fcber l\u00e4cheln. Aber wie konnte sie auch ahnen was er dem Haus damit antat? Wie konnte das irgendjemand, der nicht damit aufgewachsen war? Jetzt, da er so dalag, fragte er sich, wie er das zulassen konnte. Warum hatte er noch gleich auf Hylea geh\u00f6rt? Warum nicht den Kopf des M\u00e4dchens noch am gleichen Abend genommen, als sie es in sich sah zu verk\u00fcnden, dass sie ihm nicht folgen w\u00fcrde? Bree hatte ihn ver\u00e4ndert. Bree hatte sie alle ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Sogar eingefleischte Gondorer wie Faeryllian hatte es ver\u00e4ndert. Noch vor dem Kampf mit dem Ork hatte es Wetten gegeben ob der Ork oder der Mann aus Gondor gewinnen w\u00fcrde. Aus Loyalit\u00e4t hatten einige dabei auf Faeryllian gesetzt. Cinlir hatte nicht dazu geh\u00f6rt. Er kannte Cenedor gut genug um dessen Schw\u00e4che zu kennen: Stolz. Und dieser Stolz hatte ihn auch den Sieg gegen diese Kreatur gekostet, wie auch den restlichen Abend. Unbestritten hatte er dennoch gut gek\u00e4mpft und den ganzen Tag zuvor seine Pflicht gut ausge\u00fcbt, obwohl er eigentlich, wie alle anderen Gardisten auch, dienstfrei hatte. Weder Meroun noch Faeryllian hatten sich daran gehalten. Stolz vielleicht. Aber die treusten Seelen, die man sich w\u00fcnschen konnte. Daf\u00fcr lohnte es sich sehr wohl zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Drakon Meroun hatte um den anderen Kampf gebeten und ihn erhalten. Ein Kampf, der ihn sehr wohl den Kopf h\u00e4tte kosten k\u00f6nnen. Doch er gewann und k\u00fcsste, halb zerschlagen, Cinlirs Ring als er ihm die Hand hinhielt. Meroun war es auch, der bei dem Rettungsversuch letztendlich vorgesprungen war, die Klingen der Gegner somit erstmal an sich band und dem Rest \u00fcberhaupt erm\u00f6glichte ihn zu befreien. Blutend am Boden liegend war auch er es gewesen, der Cinlirs Fesseln zerschnitten hatte. Und er war es, der diese Nacht mit dem Leben bezahlt hatte&#8230;<\/p>\n<p>Oder &#8211; h\u00e4tte. Wo sich Cinlir noch Stunden zuvor wunderte, warum ein Elb seine N\u00e4he suchen sollte, wenn Gwaethil Eglainion doch l\u00e4ngst auf dem Weg nach Gondor war, zusammen mit Annamel. Sich \u00fcber die Scharade des Elben ge\u00e4rgert hatte. Und am Ende diesem Elben das Leben eines seiner besten M\u00e4nner verdankte. Wie auch seinen eigenen Stolz &#8211; und die gn\u00e4dige Ohnmacht, die ihn sp\u00e4ter w\u00e4hrend der Behandlung empfangen hatte. Nicht zuletzt auch die Worte, die ihm schlussendlich die Kraft gaben sich von seinem Krankenlager wieder zu erheben. St\u00e4rke habe er gesehen, so sagte der Elb. St\u00e4rke in einem Mann, dem andere M\u00e4nner bereitwillig in die Gefahr folgten. Er hatte es diesen M\u00e4nnern geschuldet gef\u00e4lligst wieder aufzustehen, mochten die Knochen noch so sehr schmerzen. Seinetwegen auch noch mehr splittern. Der Elb hatte ihn erinnert, dass er zu stehen hatte. F\u00fcr die anderen hatte er es dann auch getan.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte Giselher diese Anstrengung wenig zu sch\u00e4tzen gewusst als er davon erfuhr. Wer konnte es ihm verdenken. Er konnte nicht wissen wie wichtig es war, dass ein Mann wie er auf seinen eigenen Beinen stand, sofern noch Luft in seinen Lungen war. Und er machte sich Sorgen. Immer so viele Sorgen&#8230; Umgekehrt w\u00e4re es wohl nicht anders gewesen. Giselhers Blick war es gewesen, der Cinlir letztendlich dazu bewogen hatte der Forderung seines Bruders und der seines anderen Bruders nachzukommen. Elender Breel\u00e4nder! Elender Bauer! Elender Bruder! &#8230; Bessere Verfluchungen waren ihm vor lauter Rum nicht in den Kopf gekommen. Verdammt!<\/p>\n<p>Durch all diesen Trubel war das Schreiben an den Stadtrat &#8211; und wohl sein letztes Schreiben als Stadtrat &#8211; l\u00e4ngst vergessen. Sogar der Fehler des Archivars es ohne Cinlirs Siegel und seine Unterschrift an den Richter gegeben zu haben. Mon war, ganz wie immer, sehr still gewesen. Es war nicht schwer zu erraten weswegen, h\u00e4tte sonst doch wom\u00f6glich jemand sein Geheimnis erraten. Wie vielen seiner G\u00e4ste das an jenem Abend wohl gelungen war? Die Kupferbergs vielleicht. Das Haus der Lichter wusste sicher l\u00e4ngst bescheid. Und sonst? M\u00f6glicherweise Fianah. So im Nachhinein fiel ihm auf wie wenig er darauf geachtet hatte ob Faeryllian und der Archivar sich wohl verstanden hatten. Und wenn ja, wie gut genau. Aber auf der R\u00fcckreise w\u00fcrde er jetzt ja genug Zeit f\u00fcr solche Beobachtungen haben&#8230;<\/p>\n<p>Sein letzter Brief als Stadtrat. Und damit auch der letzte von Baumschneiders Berichten, den er zu lesen hatte. Irgendwie w\u00fcrde er den trockenen Humor des Stadtwachenhauptmanns vermissen, das war ihm jetzt schon klar. Leider war der Mann erst sehr sp\u00e4t am Abend erschienen. Weit nach diesem Vorfall. Und damit war Cinlir kaum in der Lage gewesen sich ordentlich von Nedward zu verabschieden. Ihm zu schreiben kam ihm in den Sinn. Auch das klang sinnvoll. Mit so viel Zeit zu seiner Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Zumindest sobald man ihm gestattete sich \u00fcberhaupt wieder aufrecht hinzusetzen. Bisher war die Reise so verlaufen, dass wann immer Cinlir sich \u00fcberhaupt aufsetzte Telphor, Nanndirs K\u00e4mmerer der Izhkarioths Posten \u00fcbernommen hatte, solange auch dieser gesund gepflegt wurde, ihm einen ver\u00e4chtlichen Blick zugeworfen hatte, ganz als h\u00e4tte er einer hohen Dame schwungvoll vor das all zu zarte Schienbein getreten. Nat\u00fcrlich hatte der Mann kein kritisches Wort ihm gegen\u00fcber verlauten lassen. Nur hatte Cinlir so gar keine Zweifel, dass er haarklein jede Bewegung seinem Bruder berichten w\u00fcrde, der so oder so schon \u00fcber ihn wachte wie eine L\u00f6win \u00fcber ihre Jungen. Die kleinste Anstrengung nahm man ihm \u00fcbel.<\/p>\n<p>Wenigstens verhungern w\u00fcrde er nicht. Zwar hatte er Iolanda zugestanden als Sybells Zofe arbeiten zu k\u00f6nnen, sobald diese sich die Frau angesehen hatte, jedoch lie\u00df sie es sich dennoch nicht nehmen ihn (rattengiftfrei) zu verk\u00f6stigen. Ein Umstand, den er bisher nicht zu bereuen hatte. Wahrscheinlich war das ihre Art Dankbarkeit f\u00fcr die neue Stelle auszudr\u00fccken. Offenbar hatte sie rechtzeitig spitzgekriegt, dass er f\u00fcr ihre Stickereien erstens wenig \u00fcbrig haben w\u00fcrde, zweitens selbst schon verheiratet war und so ein Kunstwerk ja wohl bestenfalls f\u00fcr ihren zuk\u00fcnftigen Ehemann gedacht sein konnte. Nicht f\u00fcr ihn. Nur aufpassen musste er trotzdem, immerhin drohte er sonst zu deutlich an Gewicht zuzunehmen, w\u00e4hrend er da so lag.<\/p>\n<p>Dies nicht zu tun erwies sich als gar nicht so leicht. Eine H\u00e4ndlerin hatte es leider auch auf die Einladung geschafft. Und sie handelte mit allerlei Leckereien, die gerade in seinem jetzigen Zustand viel zu verlockend waren: gebrannte Mandeln, Kichererbsen in fremden Gew\u00fcrzen und &#8211; seine pers\u00f6nliche besondere Schw\u00e4che &#8211; Sesamkaramell. Und dann noch dieser Tee den sie zu brauen wohl ebenfalls Iolanda gezeigt haben musste. Auf dieser Reise war Cinlirs eigener Teekonsum damit zum ersten Mal \u00fcber den seines ersten Ritters gestiegen, was so ziemlich jeden im Tross verwunderte, einschlie\u00dflich des F\u00fcrsten selbst.<\/p>\n<p>Wieder schweiften seine Gedanken ab&#8230; Pichelstein. Er h\u00e4tte den Mann gleich am Anfang umbringen sollen! Nur hatte es daf\u00fcr leider keinen all zu offensichtlichen Grund gegeben. Ausreichend unsympathisch war er gewesen. Aber als Grund daf\u00fcr seinen Kopf zu fordern taugte das nat\u00fcrlich nicht. Auch sein erschlagener Ork schien den Hochmut des Mannes nicht sonderlich zu schm\u00e4lern. Und seine Geschichten wie es zu diesem Vieh \u00fcberhaupt kamen waren ebenfalls unglaubw\u00fcrdig genug. Es w\u00e4re zweifelsfrei besser gewesen dem Waldl\u00e4ufer gleich seinen Bogen zu lassen und diesen arroganten Gelehrten niederzustrecken. Aber nein. Die Regeln der Gastfreundschaft lie\u00dfen nichts dergleichen zu, solange Pichelstein keine ernsten Anstalten machte gegen den Gastgeber vorzugehen. Er hatte Cinlir nichtmal den Gefallen getan ihn oder seine Frau zu beleidigen. Das w\u00e4re ein Grund gewesen! Irgendwie hatte er darauf gewartet.<\/p>\n<p>Die Gedanken drehten sich weiter&#8230; Verst\u00f6rende G\u00e4ste hatte es ebenfalls gegeben. Der Sohn &#8211; oder war er ein Neffe gewesen? &#8211; eines Weinh\u00e4ndlers hatte es auf die Feier geschafft. Ein junger Bursche, der irgendwie so gar nichts von Wein zu verstehen schien. Daf\u00fcr aber um so gr\u00f6\u00dferes Interesse an den anwesenden Damen aufwies. Und dann noch der alt und immer \u00e4lter werdende Gestirn, aus dem Cinlir l\u00e4ngst nicht mehr schlau wurde. Normalerweise w\u00e4re er davon ausgegangen, der Mann sei dauerhaft betrunken. Aber er war sich nicht sicher, ob er \u00fcberhaupt trank. Wahrscheinlich nicht.<\/p>\n<p>Unvermittelt hielt die Kutsche an und zerrte Cinlir so zur\u00fcck in die Gegenwart. Die T\u00fcr \u00f6ffnete sich und Bryanne kletterte zusammen mit Heridan herein. Skeptisch \u00e4ugte er zu Bryanne. Flusswieser wiederum schien seinen Gedanken zu erahnen. &#8220;Wenn ich mich recht entsinne, Herr, dann gibt es hier nichts, was Lady Aldorn nicht bereits irgendwann einmal gesehen hat. Und ich brauche jemanden euch festzuhalten.&#8221;<\/p>\n<p>Lady Aldorn. Die Frau, die kaum eine Tr\u00e4ne vergossen hatte als es hie\u00df, ihr Bruder sei gestorben. Was wohl der letzte Beweis war den Cinlir ben\u00f6tigte um sich daran zu erinnern, dass auch sie eine Klinge war. Durch und durch. Sie grinste ihn an und schlug seine Decke so weit zur\u00fcck, dass das verletzte Bein frei lag. Jedenfalls als sie die Hose weit genug hochgekr\u00e4mpelt hatte. &#8220;Immerhin muss ich euch diesmal nicht frei schneiden, F\u00fcrst.&#8221;, kommentierte sie mit einem schelmischen Grinsen.<\/p>\n<p>Wie genau hatte es Flusswieser \u00fcberhaupt hier hoch geschafft? Hatten seine Beine nicht auch genug abbekommen? Cinlir konnte sich nur verschwommen daran erinnern. Und nachzufragen erschien gerade irgendwie \u00fcberfl\u00fcssig. &#8220;Das wird jetzt ein wenig schmerzen, Herr.&#8221;, warnte Heridan vor.<\/p>\n<p>Cinlir dachte an den Gesang sch\u00f6ner Frauen, an H\u00e4nde, die beruhigend \u00fcber sein Haar strichen. Dachte an all die Gesichter des Abends, der ihm dieses Bein beschert hatte. Dachte daran zu stehen. Dachte an seine Eltern, seine Kinder. An seine Frau. Und schwieg erfolgreich als Bryanne ihn fest auf das Reiselager dr\u00fcckte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The bravest thing you can do when you are not brave is to profess courage and act accordingly. &#8211; Corra Harris<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-2670","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cinlir-winthallan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2670"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2678,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670\/revisions\/2678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fatebook.eternalevil.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}