Endlich hatte sich die Kleine wieder gemeldet. Immerhin verschaffte das ihrem Vater – oder dem, der davon übrig war – ein Lächeln für die nächsten fünf Minuten. Das aber wohl nur, weil ihn niemand störte. Wie auch. Er hatte beschlossen die Welt um sich herum einfach für ein paar Augenblicke zu ignorieren. Bedachte Xyviel wie wenig davon übrig war, fiel das gar nicht so schwer.
Jessica hatte sich wieder in Fahrt geredet. “Was für eine Art Mann bist du eigentlich, Martin?! Erst steigst du mit dieser Europäerin -” Halblaut unterbrach Martin seine Frau. “Österreich, Schatz…” Aber sie hörte ihn nicht. “- ins Bett! Und dann?! Dann kriegst du es nichtmal hin zu sagen wie oft! Ist doch nicht zu viel verlangt das zu erfahren, so als betrogene Ehefrau, oder?!”
Die Antwort lautete: Gar nicht. Zugegeben, Martin konnte sich nicht davon freisprechen sich das, was ihm seine Frau gerade vorwarf nicht das ein oder andere Mal vorgestellt, manchmal sogar gewünscht, zu haben. Aber er hatte nichts dergleichen getan. Auf die Idee wäre er gar nicht gekommen. Immerhin war die Beziehung zwischen besagter Klientin und ihm rein geschäftlicher Natur. Auch wenn ihr Lächeln ihn immer glauben ließ es wäre anders.
“Kannst du vielleicht wenigstens antworten?”, fuhr ihn Jessica an. Ein tiefes Seufzen das in seiner Natur zweifelsfrei den ganzen Äquator hätte umspannen können folgte. Müde sah er zu seiner Frau auf. Niedergeschlagen. Abgekämpft. Seine Frau hatte ihr Urteil längst gefällt, das sah er. Keine Erklärung dieser Welt hätte sie auch nur im Ansatz milde stimmen können. Und er war zwar gutmütig, nicht aber dumm genug das zu glauben.
Seine Stimme klang nunmehr unglaublich flach. Tonlos. “Sowas hätte ich nie getan, Jessica… Ich liebe dich.” Und er meinte es, meinte es genau so. Nur wußte er längst, daß nur einer von beiden hier liebte. Und er wußte, daß sie das was er sagte längst nicht mehr empfangen konnte. Kein Lächeln mehr darüber.
Felicitas Märbaum hätte sicher gelächelt. Sie lächelte immer. Er kannte sie eigentlich gar nicht anders, egal welche Nachrichten er ihr über die derzeitigen Aktienkurse brachte. “Das Glück ist mit den Dummen, Mr. Finn.” Das sagte sie immer, wenn die Kurse besonders zu ihren Ungunsten standen, rollte und zog die Silben in einer Art, die er so nicht kannte und lächelte ihn aufmunternd an. Ganz als glaube und wisse sie: Sie zu enttäuschen wäre das schlimmste für ihn.
Martin Finn hatte Felicitas Märbaum nie ohne Lächeln gesehen. Xyviel hatte es ihr genommen.
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