Was Recht und was gerecht ist
Vor zwanzig Jahren verstarb der Volksschauspieler Walter Sedlmayr eines gewaltsamen Todes in seiner Wohnung in München. Damals machte der Fall große Schlagzeilen und ließ nicht nur Bayern mit Spekulationen über Sedlmayrs Privatleben und das mögliche Motiv des Täters immer wieder neue Horrorszenarien über das Ableben des beliebten Darstellers aus Serien wie “Polizeiinspektion 1” ersinnen. Im weiteren Verlauf der
Ermittlungen ergab sich, Sedlmayr habe unmöglich nur von einer Person getötet werden können, so die deutliche Sprache der Indizien.
Es sollte drei Jahre dauern bis die mutmaßlichen Mörder hinter Gitter gebracht werden konnten. Seither jedoch gab es immer wieder Bestrebungen das Verfahren wiederaufzunehmen, unter anderem wegen neu
hinzugekommener Aussagen, Geständnissen, deren Gültigkeit in Frage gestellt werden muss, und der Verwicklung eines bereits vorbestraften Mannes, der kurz nach dem Mord an Sedlmayr nach Spanien auswanderte.
Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Zeit, in der viele Menschen diesen Vorfall längst vergessen haben. Niemals vergessen werden ihn jedoch die beiden Verurteilten, von denen ein Mann wegen guter Führung und entsprechender psychologischer Gutachten längst wieder auf freiem Fuß ist. An dieser Stelle beginnt eine Geschichte, die wegen der verschiedenen Auffassung der Menschen von Recht, Unrecht, Verantwortung und Rehabilitation fast jede Gesprächsgruppe in zwei Lager spaltet.
Der Verurteilte, von Gesetzeswegen her also ausreichend bestraft und als besserungsfähig beurteilt, begibt sich zurück in das Leben in Freiheit und versucht, ganz wie es das deutsche Gesetz vorsieht, sich wieder in das normale Leben einzugliedern. Dieses Gesetz beruht zwar auf dem Gedanken einen Straftäter für seine Tat büßen zu lassen, aber auch darauf, dass ein Mensch fähig ist aus Fehlern zu lernen. Demzufolge kann jemand, der ein Verbrechen begeht, nachdem die Strafe abgesessen ist – gegebenenfalls einhergehend mit diversen Therapien – wieder ein wertvolles Mitglied für die Gesellschaft werden.
Im Sinne dieser Richtlinien wurde dem nunmehr freien Mann von der Bundesagentur für Arbeit ermöglicht einen Führerschein für den Personentransport als Busfahrer zu bekommen. Besser, es wurde ihm die Möglichkeit gegeben das dafür nötige Wissen zu erlangen. Die Aushändigung der zugehörigen Fahrerlaubnis wurde jedoch verweigert. Auf Grund des polizeilichen Führungszeugnisses und der darin verzeichneten Haftstrafe wegen Mordes sehe man sich außer Stande die Erlaubnis zu erteilen. Es würde damit zu viel Verantwortung für das Leben anderer Menschen in die Hände eines Mannes gelegt, der mit dieser offensichtlich nicht umgehen könne. So der Rückschluss der ausstellenden Kreisstadt sowie des dafür zuständigen Verwaltungsgerichts, vor dem Klage durch den Exhäftling eingereicht wurde.
An dieser Stelle also scheiden sich die Geister: Sind wir bereit daran zu glauben, dass der Mensch fähig ist über sich selbst hinauszuwachsen? Oder beschränken wir uns auf die Erkenntnis, dass es Menschen gibt, deren Natur so sehr von der aller anderen abweicht, dass sie nichts geringeres sind als die Art Monster, der man ohne jedes
schlechte Gewissen Grundrechte wie die freie Arbeitswahl nehmen darf, kann und vor allem sollte? Wieviele Zweifel darf es geben und wieviele darf es nicht geben, damit ein Mensch das abgesprochen bekommt, was so
oft gefordert wird: die berühmte zweite Chance.
Leserkommentar zur Nominierung der CDU (OB-Wahl 2011) Stötzel und die Qual der Nichtwahl
Donnerstage sind wichtig. So lehrte es uns der vergangene Donnerstag. An diesem Tag nämlich nominierte die CDU ihren Kandidaten für die im März nächsten Jahres anstehende Oberbürgermeisterwahl.
60 Stimmen bekam Wieland Stötzel. 60 Stimmen von den ebenfalls 60 wahlberechtigten Mitgliedern der CDU Parteigemeinschaft der Umgebung. Damit also ein Kandidaturerfolg von 100%. Und das ist selten.
Die Außenpolitik, so sehen wir es fast jeden Abend im Fernsehen, lehrt uns, dass hinter Wahlerfolgen dieser Art meist ein korruptes System steckt. Wie sonst ließen sich die Erfolge von Diktatoren erklären, die gegen jedes Menschenrecht, dass sich der Mensch je aus den Fingern gesogen hat, verstoßen haben? Aber nein. Die eigene Partei zu korrumpieren wäre wohl doch etwas weit her geholt.
Das lässt nur einen möglichen Rückschluss zu: Es gab schlicht keine Alternative. Anscheinend nichtmal einen Gegenkandidaten. Denn, egal wie gut oder schlecht ein Mensch ist, irgendjemand mag ihn immer.
Irgendjemand hasst ihn immer. Das lehrt die Psychologie und auch die Soziologie. Das macht eine 100%-ige Wahl von jemandem oder etwas virtuell unmöglich. Außer natürlich, man hat die Wahl zwischen A und eben A.
Sind wir also so weit gekommen? Gibt es schlicht niemanden mehr, der es wagt sich gegen einen vorhandenen Pol zu stellen? Oder ist es vielleicht schlicht Ziel der Partei uns eine Einheit vorzugaukeln, die
so schlichtweg unmöglich ist?
Es bleibt nur zu hoffen die Stimmzettel am Wahltag haben mehr Auswahl als einen Politiker. Diversität und Individualismus. Das wird heutzutage alles sehr groß geschrieben. Nur irgendwie ist das wohl im
Wahlsystem an sich noch nicht angekommen.
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