Zu lange war ich nicht mehr genötigt Worte sinnvoll aneinanderzureihen. Meine ersten Schritte – seit langem – auf diesem Feld wirken träge, unbeholfen. Wenig von alter Anmut ist darin auch nur zu erahnen. Es wird Zeit wieder zu schreiben, wie ich es einst tat. Ich hoffe inständig Ellena wird davon nicht abgeschreckt.
Wirklich. Manchmal sorgen sich die Menschen um einen, von denen man es zu allerletzt erwartet. Wie er mir versichert habe ich Wogenwolfs Loyalität. Aber seine Sorge um einen Menschen, einen, den er vielleicht respektieren kann, aber kaum verstehen – das ist neu. Das ist überraschend. Jedenfalls trat er gestern zu mir. Erkundigte sich wie es mir ginge. Er und ich teilen einen Schmerz, Die Umstände mögen anders sein. Und er hat andere Stärken darin, mit dem umzugehen, was ihm zugeteilt wurde. Wir sind eben verschieden. Aber diesen Schmerz, dieses Bewußtsein, teilen wir noch. Bis wir stark genug sind. Ich glaube, er ist mir diesbezüglich weit voraus. Auch führten wir ein interessantes Gespräch über Charls. Wieder sind wir einer Meinung. Ich rechne es ihm hoch an nicht zu handeln. Vor langer Zeit, als ich in Ketten an einer Wand hing, wurde ich gefragt wer der beste Nachfolger für meine Position wäre. Und obwohl Rodgars Stärken andere sind als die meinen glaube ich nach wie vor er wäre eine gute Wahl gewesen. Der Mann ist eine sehr fein geschliffene Waffe. Eine Waffe, die nur zu besonderen Anlässen eingesetzt werden darf. Damit sie scharf bleibt. Damit sie Furcht gebietet. Niemand könnte das besser als er.
Was also Charls angeht… Er stellte mir gestern eindrucksvoll keine Stunde nach dem Gespräch mit Rodgar zur Schau, daß ich mich bisher noch nicht in ihm geirrt habe. Ich habe gute Ohren. Ich höre den Ton seiner Stimme. Er wird lernen. Bald.
Seine Frau hingegen wirkt zwar kühler als er, ist aber auf vielen Ebenen bewanderter. Sogar, und das mag paradox klingen, in Sachen Feinfühligkeit. Ich wünschte sie würde ihr Wissen mehr mit ihm teilen.
Auch Lysawyn zeigt mehr Feinfühligkeit, mehr Talent als ich anfänglich vermutet hatte. Ich hoffe die Baroness und ich haben sie nicht zu sehr gelangweilt. Sie zeigt reges Interesse an den Vorgängen die nötig sind um Ellena in Ehre ehelichen zu können. Es liegt viel Verträumtheit in ihr. Jugendliche Vorstellungen von Tugenden, die sie wahrscheinlich nur zur Hälfte kennt. Aber sie muß sie lernen. Für ihre Aufgabe. Und sie wird. Immerhin wirkte sie nicht erschlagen von dem was sie sah. Fast sogar… angetan.
Ah, Ellena… So viel Zurückhaltung. So viele Manieren. Ich glaubte das noch vor wenigen Tagen nicht vermißt zu haben. Aber ich lerne, das stimmt nicht. Ich habe es sehr wohl vermißt. Die Vorfreude. Das, was nicht gesagt wird. Die Blicke. Die Art sich genau nicht zu berühren. Ja, ich gestehe. All dies hat gefehlt. Sehr.
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