Als Magistrat Cian Andronen seine spärlichen Kräfte dazu nutzte den Mann aufzusuchen, der sie ihn überhaupt erst gekostet hatte, und sah, wie wenig von ihm übrig geblieben war, konnte er sich der Frage nicht erwehren, ob er diesen Mann in einem ehrlichen Zweikampf hätte besiegen können. Er glich so gar nicht mehr dem Mann, der seinem Sohn das Fechten beigebracht hatte. Ein Künstler seines Faches. Und jetzt? Ein Wrack, an eine Wand gekettet, ausgehungert, dreckig und matt. Nur seine Augen, so fiel dem Magistraten auf, hatten noch echtes Leben in sich und boten dem restlichen Körper somit Trotz.
Langsam näherte sich Cian der Zelle, ließ sie öffnen und trat ein. Der andere Mann machte Anstalten aufzustehen, doch Cian gebot ihm mit einer wegwischenden Handgeste Einhalt. Zu seiner Überraschung gehorchte der Fechtmeister widerspruchslos. Wieder sah er sich den Mann an. Lange.
Am Ende war es ausgerechnet Dravill, der unaufgefordert das Schweigen brach. “Ich habe es in euren Augen gesehen… Sertan zeigte es mir. Nochmals. Ihr – habt es nicht gefrüchtet zu ihm zu gehen. Ihr hättet es willkommen geheißen.” Als er geendet hatte, kaute er einmal die Luft ins Leere. Es schien fast schon ungewohnt so lange zu sprechen. Cian selbst lies die Offenheit, die Direktheit und nicht zuletzt die Richtigkeit dieser Worte sprachlos zurück. Er blinzelte den anderen Mann an und verlor, wenn auch nur für wenige Sekunden, wohl zum ersten Mal die seltsame Aura, die ihn umgab – die jeden erahnen ließ, er sei aggressiv und gefährlich.
Letztendlich bekam er ein Nicken zustande. Und nach einigen Augenblicken hatte er sogar zu seiner Sprache zurückgefunden. “Das Gesetz verlangt euren Tod. Es nimmt keine Rücksicht auf die Wünsche irgendeines Menschen. Selbst nicht die eines Magistraten.” Nur sehr unterschwellig schwang Bedauern in seiner Stimme mit. Der andere Mann nickte, auf seltsame Art ergeben. Seine Antwort war nicht minder überraschend. “Dem Gesetz wird Genüge getan werden müssen. Aber ob es umsonst ist oder nicht, das liegt bei euch.” Bei euch… Diese zwei Worte hallten lange in Cians Kopf nach. “Was meint ihr?”
Wieder langes Schweigen. “Das wisst ihr, Herr.”
Und er hatte Recht. Am Ende wusste er es wirklich.
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