Laufen lernen

He who reigns within himself and rules his passions, desires, and fears is more than a king.

– John Milton

Seit etwa zwei Wochen bin ich nun hier in Daggerfall. Was ursprünglich als Ablenkung und Experiment begann, hat sich sehr schnell in etwas anderes, neues verwandelt.

Zum einen ist da dieser Ork. Gatub gro-Azuoma. Er taucht aus dem Nichts auf und offenbart mir, dass er eine Blutschuld mir gegenüber abzutragen hat. Seitdem betätigt sich ein Mann, der sichtlich für Schlachtfelder geschaffen ist, als Kammerdiener, knurrt mögliche Gesprächspartner an und versprüht die gute Laune übersäuerten Essigs. Fast alles an ihm schreit nach dem orkschen Ehrempfinden. Er möchte sich das Recht zurück verdienen, Waffen zu tragen. Warum er das ausgerechnet in meinen Diensten tun muss, weiß ich nicht. Aber ich habe inzwischen herausgefunden, dass es wohl besser ist, dieser Sache nicht all zu weit nachzugehen. Immerhin bekommt man nicht alle Tage seinen persönlichen Leibork auf den Bauch gebunden. Ich sollte dennoch bald mit ihm reden und die ein oder andere Last von seinen Schultern nehmen.

Als ob einem derartigen Ork zu begegnen nicht seltsam genug wäre. Jedenfalls traf ich kurz darauf ein Mädchen hinter dem Tresen der örtlichen Taverne. Kaum 17, das junge Ding. Sehr verschüchtert. Ihren Erzählungen nach musste sie ihren Bruder in Camlorn zurücklassen, vermisst ihn aber sehr und macht sich große Sorgen um ihn und seinen Falken Schnellschwinge. Die Acht mögen wissen, warum ich es plötzlich für eine gute Idee hielt, für sie dort hin zu reiten und nach ihrem Bruder zu suchen. Natürlich fand ich ihn nicht. Aber immerhin konnte ich Stella eine Feder bringen, von der ich glaube, dass sie von Schnellschwinge stammen muss. Wenn dem so ist, stehen die Chancen gut, dass er noch am Leben ist. So auch sein Herr. Ich habe ihr versprochen, dann und wann erneut zu reiten und nach ihm zu suchen. Dafür versprach sie, den Schutz der Stadt nicht aufzugeben.

Gesellschafter hat es hier in Daggerfall ebenfalls. Breoth ist wohl ein Name, den ich mir merken sollte. Und wenn ich der Dibella-Dienerin Glauben schenken darf, dann wohl auch der Name Hylea. Besagte Dienerin selbst, Yrin ihr Name, hat sich mit mir auf ein Rätselspiel eingelassen. Ich bin gespannt ob meine Lösung ihr zusagen wird. Merila jedoch, eine sehr fähige und aufmerksame Dame was Tee angeht, scheint nicht zu diesem Gespann zu gehören, was mich fast ein wenig verwundert. Allerdings räume ich ein, dass sie nicht ganz so feingliedrig wirkt wie die anderen drei. Sie mit diesem Klotz verschwinden zu sehen war befremdlich genug.

Die kleine Leonie habe ich kaum gesehen – aber das macht nichts, denn Tornado sieht sie offensichtlich täglich. Und da er sich über reichlich grüne Äpfel freut, geht es ihm und ihr wohl gut. Ich werde sie bald sprechen, wie ich hoffe. Es gibt noch einiges mit ihr auszudiskutieren.

Während Yrin, die Dame Freiheit, an meinem ersten Rätsel für sie scheiterte, löste es eine mir bis dahin völlig fremde Frau namens Ayra. Sie wirkte zuerst zu gut gerüstet und zu sehr auf Aufmerksamkeit aus – möglicherweise auch auf Glorie durch den Fund irgendwelcher Artefakte. Allerdings gab sie schnell Anlass, die soeben gefassten Vorurteile zügig zu revidieren. Nun sehe ich mich also in einer Position, in der ich sie nicht mehr missen möchte. Zwar wird sie kaum alle meine Entscheidungen begrüßen, jedoch begrüße ich, dass sie nach wie vor hier ist, sie zu hören.

Artemis Tahir hielt ich zuerst für eine Art Leibwächter eben dieser Ayra. Anscheinend arbeitet er jedoch von ihr unabhängig. Allerdings teilen sie ihre Vorliebe dafür, Dinge zu suchen. Wobei das anscheinend auch abstrakt sein kann. Auch Tahir täuscht auf den ersten Blick. Was wie ein grober Schlächter wirkte, entpuppt sich als bemerkenswerter Denker mit einer hohen Beobachtungsgabe. Natürlich behält er dennoch seinen eigenen Kopf. Er ist mit der nötigen Demut zweifelsfrei nur bis zu einem gewissen Punkt zu treiben. Aber für den Moment ist das fördernswert.

Bleiben zwei. Der eine ist ein fahrender Ritter, Farbius DeLore. Es scheint mir, als ist in ihm der letzte aufrichtige Mann an die Menschheit verloren gegangen. Kaum spricht man mit ihm über Anstand und Moral, findet man noch mehr Wohltäter und Gutmenschen im eigenen Umfeld. Ausreichend viele, das man beginnt sich selbst infrage zu stellen. Und so sitze ich hier und frage mich, was genau ich hier eigentlich tue.

Und ich frage mich: Kann ich tun, was man mir aufgetragen hat? Kann ich führen? Kapitän Bernard mag der erste Versuch sein. Er gibt sich alle Mühe, den Ton zu treffen, den ich wohl hören möchte. Die Frage ist, ob man aus ihm eine Art anständigen Mann herausholen kann. Im Moment wirkt er ungeschliffen. Es ist die Frage, was genau es braucht, um ihn wirklich zu binden… Vielleicht ist es die Aussicht auf eine Zukunft. Vielleicht ist das aber auch nur Teil seines Schauspiels.

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