Die andere Seite der Münze

The greatest mistake is trying to be more agreeable than you can be.

– Walter Bagehot

Das Pferderennen und andere Umstände scheinen einen Namen, der kaum jemanden etwas sagt, wie ein Lauffeuer voranzutreiben. Es stellt sich heraus, dass ich selbst damit nur bedingt viel zu tun habe. Andere verbreiten ihn, weil sie wissen, was das für sie für einen Nutzen haben kann. Ich sehe nicht, warum ich mich darüber beschweren sollte.

So kommt es also auch, dass nunmehr eine Botin in meinen Diensten steht. Fintol, so ihr Name, ist vorlaut und noch nicht oft genug auf die Nase gefallen um zu wissen, dass man bestimmten Situationen aus dem Weg geht. Aber das wird sie ebenso zweifelsfrei noch lernen. Ihre Bereitschaft dazu hat sie signalisiert. Und bereitwillig eine Prüfung mitgemacht, die ziemlich ins Auge hätte gehen können. Was sie zum Glück nicht tat.

Leonie hätte sich wahrscheinlich scheckig gelacht, wäre sie dabei gewesen. Oder hätte einfach mitgerauft. Noch immer ist es mir nicht gelungen, sie alleine zu sprechen. Es ist daraus aber auch noch kein Schaden zu befürchten.

Die Dame Hylea hingegen hatte wenig Freude an besagte Prüfung. Welcher Teil genau es war, der sie so sehr verstimmte, langweilte oder einfach nur anwiderte ist mir nicht bekannt. Ich denke auch nicht, dass mir zu viel daran gelegen sein sollte, einer Frau wie ihr zu gefallen. Sicherlich hat sie Loyalitäten. Aber es liegt in der Natur ihres Geschäfts auf den Wogen der Politik zu reiten, auch wenn sie dort niemand vermuten mag. Sie kann aus Personen wie mir ihren Nutzen ziehen – was gut und gewollt ist. Und während es wahrscheinlich ist, dass sie zu einem gewissen Grad im Stande sind zu lenken, darf niemals der Eindruck entstehen, dass sie uns von uns selbst entfremden. Sie muss nicht jeden Teil an mir mögen. Es genügt, sind es ausreichend viele.

Dessen ungeachtet habe ich ihrem Bekannten, Breoth Barlend, etwas zukommen lassen, dass für sie sowohl Zeichen als auch Preis sein kann. Barlend habe ich erklärt, was es damit auf sich hat. Ich vermute halb, dass sie auch in diesem Geschenk eine Beleidigung sieht. So das der Fall sein sollte, sagt auch das ausreichend viel aus, um eine Lehre daraus zu ziehen. Man wird sehen. Meine Worte vor Tahir bleiben von Bestand. Barlend wiederum hat mich und zwei Söldner eingeladen. Heute Abend werde ich sie in Wayrest treffen. Es mag gut sein, dass jene Söldner alsbald in die Dienste Misthavens treten. Personenschutz. Barlend wiederum bietet sich als Überwacher über die Verhandlungen an. Woraus auch er zweifelsfrei Nutzen ziehen wird.

Ihre genaue Formulierung ist mir entfallen, aber die Dame sagte, man rede von Tahir als meiner Klinge in der Dunkelheit. Was mich amüsiert ist für ihn schon nahezu geschäftsschädigend. Dennoch hatte sie auch andere Informationen erwähnt, die nicht völlig uninteressant sind. Sollte er wirklich etwas ausweichen? Und wichtiger, wovor würde jemand, der so unerschrocken und unerschütterlich wirkt wie Tahir es tut weglaufen? Ich mag den Gedanken nicht. Verfolgen werde ich ihn dennoch.

Egal was über ihn gesagt wird, er tut so oder so seine Arbeit. Zu meinem Erstaunen scheint er mit Kapitän de Bosquet zusammen tatsächlich produktiv zu sein. Zwar liegt mir noch kein Ergebnis vor was diesen Feldscher betrifft, aber ich bin zuversichtlich, dass es nicht mehr lange auf sich warten lässt. Auch Renard selbst ist weit geduldiger, als ich es ihm zugetraut hätte. Es mag ihm nicht leicht fallen, aber er ist bereit, sich an Befehle zu halten. Möglicherweise ist der Mann weit weniger eine Fehlinvestition, als es ihm unterstellt werden könnte.

Eine andere Investition ist eine junge Bardin. Ich trug ihr auf, ein Lied über Karquass’ Siegesritt zu dichten, was sie tat. Mara Auenwind hat ein Lied geschaffen, dass sicherlich den ein oder anderen erfreuen wird. Spannend zu beobachten wird sein, ob gleiches auch für Karquass selbst gilt. Ich bin sicher, ich werde es früh genug erfahren. Außerdem mag die Orkin selbst aus Späherin taugen. Ich werde sie befragen, ob sie diesbezüglich anwerbbar ist oder nicht.

Um die Dame Freiheit bleibt es still. Zwar habe ich ihr geschrieben, aber es kam bisher kein Brief zurück. Ich frage mich, was sie so plötzlich aufhält.

Ebenso wenig sehe ich Ayra sonderlich oft, sieht man von den Übungsstunden ab. Damit also viel weniger, als ich es eigentlich möchte. Sie muss Schlechtes von mir denken, wenn ich mich so selten blicken lasse. Sicherlich hat auch sie ihre Geheimnisse. Nur welche ist die Frage.

Bleiben noch zwei Begegnungen. Die eine mit einem Kampfmagier, der ebenfalls in meine Dienste treten möchte. Ein Mann, der offensichtlich viel auf seinen Namen gibt, obwohl er der Zeitgeborene ist. Stolz ist er. Die Frage ist natürlich, wie weit er damit kommt. Ich werde zeitnah mit ihm reden und hoffen, dass es noch nicht zu spät ist. Immerhin ist Misthaven eben genau das – für alle.

Zuletzt bleibt eine humpelnde Sklavin. Irgendjemand hält es für eine gute Idee, ihr einen magischen Stab als Krücke zu geben, obwohl sie selbst keine Ahnung hat, was Worte wie “Essig” oder “Dichter” bedeuten. Wie soll jemand mit so einem Ding umgehen, wenn er bereits die Sprache nicht wirklich beherrscht? Und wenn es nicht um die Magie geht – wer gibt ein Artefakt als einfache Krücke her? Wie ich die Sache drehe und wende, es macht mich wütend daran zu denken. Und überhaupt. Sklavin… So verhalten hat sie sich bestenfalls in Teilen.

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