A Place called Home

Das fünfte Treffen also. Es war ein seltsames Gefühl so viele Menschen und Elben zu sehen, die freiwillig für dieses Haus einstehen. Ein weiteres Mal lehrt es mich Demut. Und Angst. Zu was wäre ich in der Lage, wenn. Löwe oder Lamm, Junge?

Unter den Anwesenden konnte ich Mynerya leider nicht entdecken. Da ich Ellena nunmehr versuche mehr Verantwortung zuteil werden zu lassen wird auch die Rolle ihrer Zofe tragender. Ich sollte sie darauf hinweisen. Sehen, ob sie Ellena diesen Dienst erweisen kann. Wie auch dem Haus. Eine Zofe ist für eine Baroness fast, was der Kämmerer für mich ist. Sie ist das stabile Standbein. Um so bedauerlicher sie nicht gesehen zu haben. Ellena wiederum war sogar beim Treffen der Kavallerie zugegen. Sie weiß nun wer sie führt. Sie weiß nun, daß es sie gibt.

Als externe Wachen waren Nimrothir, Damares und Gyroir zugegen. Letzteren kenne ich kaum, jedoch dafür die anderen beiden. Damares und ich haben eine Geschichte, natürlich. Ich verstehe nun immer besser wie schwierig es sein kann zu führen. Keine Schwäche zu zeigen. Nicht zu schreien, auch wenn man möchte. Nicht zu rennen, auch wenn man sollte. Und zu bluten, weil man muß. Nimrothir hingegen… Er schrieb von Entschuldigungen und Erklärungen, hält mich jedoch weiterhin für blind. Was davon zu halten ist – überlasse ich vorerst besser Damares. Er ist einer der ihren. Ich hoffe, sie wird zu erklären wissen. Ihn – oder mich.

Eine etwas beunruhigende Bewegung zeichnet sich ab. Einen Tag vor der Zusammenkunft sprach mich eine Fürstin an, Tarona ihr Name. Sie bat mich eine Frau namens Constancia unter meine Fittiche zu nehmen. Ich sah nichts, was dagegen sprach, also stimmte ich zu. Besagte Dame jedoch diente bis vor kurzem noch in der Stadtwache. Man entließ sie, soweit ich es verstand, unehrenhaft wegen Insubordination. In ihrer Begleitung: kein Geringerer als Draganta, welcher mir noch aus der Sache um Antain bekannt ist. Beide waren ohne zu zögern bereit das Credo mit den anderen zu beglaubigen. Ein Königreich für ihre Gedanken als sie merkten, daß es lediglich Zuckerwasser war, daß sie zu sich nahmen – statt dem Gift, welches sie vielleicht erwarteten. Ich habe beide vorläufig als Wachen eingeteilt. Wir werden sehen wie sie sich dort machen. Aber für den Moment schien die Entscheidung naheliegend.

Als die beiden vor mich traten, stießen auch Lintflas, welcher sich schon Tage zuvor per Brief angekündigt hatte, und eine Frau, welche er mir als Mortarmaiel vorstelle dazu. Letztere sah ich gestern zum ersten Mal, so vermag ich also nur wenig über sie zu sagen. Lintflas selbst jedoch scheint Lynne näher zu kennen. Wie mir scheint hat sie ihm einmal die Haut gerettet, nahe Rivendell. Leider erwähnte er das vor versammelter Mannschaft, so konnte ich ihn also nicht auf Anhieb einer Aufgabe zuteilen ohne ihn bloßzustellen. Bleibt ein Gespräch mit Mortarmaiel, Lynne und ihm abzuwarten um zu sehen, wozu genau er denn nun taugt. Seine Begleitung wiederum teilte ich vorläufig als Kundschafterin ein.

Es mag mir fast scheinen, als würden alle nur noch in Paaren erscheinen. Ein Paar anderer Art jedoch waren Leiard und seine Tochter Chaleuwyn. Bisher hatte ich nur wenig Gelegenheit die beiden bei ihrer Arbeit zu beobachten. Vor allem von besagter Tochter wüßte ich gern, wie sie sich in Zusammenarbeit mit dem Gelehrten Eolair macht. Ich habe keine Zweifel, daß Leiard eine hervorragende Wache ist. Zumindest mache er auf mich allen Eindruck dementsprechend. Wahrscheinlich fühlten sie sich in der Menschenmenge gestern ebenso verloren, wie ich selbst. Aber auch sie tranken. So besteht für mich kein Zweifel an ihrer Loyalität.

Mit der Geste überrascht hat mich allerdings Ghosa. Der Elb hat tatsächlich getrunken. Ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll. Es schmeichelt mir, wie ich gestehe. Macht mich stolz. Und dennoch versetzt auch das mich abermals in Angst und Schrecken. Ich habe, seitdem er uns Zuflucht bot, tiefen Respekt vor diesem Elb im Speziellen. Und ausgerechnet er, zu dem ich so aufsah, hält nun uns so die Treue. Meinem Haus. Dabei hat er schon so viel mehr gesehen als ich. Tut er das nur in dem Bewußtsein, daß ich für ihn zwei Wimpernschläge später schon tot sein werde? Oder hat es – Bedeutung?

Sollte am Ende sogar Iverin Recht behalten? Welche vor mich trat, einen anderen Dienst suchte. Mann und Kind wohl eine Weile zurücklassen wird für ihre langen Reisen. Und auch ihre Worte sprachen die Sprache Ghosas Geste. Sie sagte, man werde sich an Minas Faer erinnern. Und dadruch an mich. Für immer. Die Frage bleibt allerdings – an was für einen Mann wird man sich erinnern?

Sie sagte mir, ich solle gut auf Antain achten. Aber Antain ist weit. So auch Elmion, welcher nach wie vor auf ihrer Spur jagd. Welchen Bärendienst erweise ich ihr nun, da ihr Mann halb ertrunken und verwundet aus dem Wasser gefischt wurde. Auch auf ihn konnte ich nicht achten. Ein Fürst leerer Versprechungen darin. Ich weiß nichtmal, wie er sich diese Wunde zugezogen hat, geschweigedenn worum genau es sich handelt. Iyrawen konnte mir gestern Nacht keinen Bericht mehr geben. Und das Gespräch, welches ich schon seit Wochen mit ihr angestrebt hatte, fiel denkbar kurz aus. Man rief sie weg, wie ich heute also erführ zu Kashin. Aber das Gespräch wird fortgesetzt. Ein andermal. Hoffentlich bald.

Besser zu verbuchen ist wohl, daß Najisa und Giselher sich endlich wiedersahen. Traut man Aldorns Blick zu ihr, haben sie sich eine Weile nicht gesehen. Ich muß sie fragen, ob sie einen vertrauenswürdigen Boten kennt. Ein Schreiben muß nach Gondor. Linhir wartet. Vielleicht ihre Schwester…?

Missen mußte ich leider Christan. Bedauerlich. Ich hätte ihn gern gesehen. Gesehen, ob er getrunken hätte. Gesehen, ob er verstanden hätte. Und mit mir selbst geraten, was davon er Calida erzählt hätte. Was sie denken würde. Ihr Väterchen, nur ein alter Narr, der an einem Credo festhält, an welches so oder so nur noch er glaubt? Oder hätte sie wirklich gesehen, daß es andere annehmen, aufnehmen und beherzigen? Und was davon hätte er wohl gesehen… Warum vor allem – kümmert es mich.

Auch Immertreu sah ich auf dem Treffen. Überraschender jedoch ihre Reaktion heute. Ich schulde ihr nunmehr eine Frage, deren Antwort ich zu geben scheue. Ehrlich gesagt bin ich gespannt, ob sie eine solche Frage findet. Und wie sie lautet. Ich selbst bin mir keiner bewußt. Aber – ich glaube, das ist man nie, bei solcherlei Angelegenheiten.

Bei Furbor bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn sah. Ich bilde es mir ein, aber – genau zu sagen vermag ich es nicht. Dafür jedoch sah ich die Jägerin, Yvaine. Ihr seltsamer Bekannter hat nicht mehr von sich hören lassen. Ich glaube, ich bedaure es nicht. Jedoch hoffe ich, daß sie der Verlust nicht zu sehr trifft. Gestern wirkte sie – ruhig. Aber auch sie trank. Damit wird auch sie nicht in Frage gestellt.

Auch Marathil sah ich, jedoch frage ich mich warum er nicht in Begleitung Nildas war. Dabei hatte ich geglaubt, die beiden verstünden sich gut. Allerdings gibt es bisher keinen Grund zu glauben, sie hätten gestritten. Vielleicht ist es Zeit zu versuchen mit Tieren zu sprechen um mehr über mein Haus zu erfahren. Aber dafür bin ich nicht betrunken genug. Oder ich setze Zarroc darauf an. Er ist zwar eine Wache, scheint mir manchmal aber grob wie ein Bluthund. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich das an ihm schätzen oder verachten soll.

Beunruhigender war es auch heute Anjoun wiederzusehen. Er trat vor mich, bat um eine Aufgabe. Aber was sollte ich ihm geben? Egal was es gewesen wäre, Damares hätte es wenig zu schätzen gewußt. Und ich will keine alten Wunden neu aufreißen. Besser so, denn sobald ich aus dem Haus trat heute, stand Drakon Wache neben der Tür. Auch er hätte reagiert, wie Damares es hätte. Nein. Anjoun muß erst mit Damares reden. Blutklinge ist Blutklinge. Ich lebe noch. Und ich möchte, daß es so bleibt.

Mein eigenes Blut, den Bastard, sah ich nicht. Jedoch scheint es Ellena und ihm nach wie vor ernst zu sein. Nicht zuletzt deswegen muß ich einen Boten finden. Einen wirklich vertrauenswürdigen. Einen schnellen. Einen, der sich nicht aufhalten läßt. Oder bestechen. Und während ich über den Bastard meines Vaters sinniere, prügelt sich ein anderer ungleicher Bruder mit fremden Frauen. Wegen Beleidigungen. Beleidigungen! Der Mann will Kämmerer werden. Soetwas darf nicht geschehen. Und das wird es nicht mehr.

Reowin erhielt endlich einen Namen. Ich werde ihn Lluvia nennen. Er wurde zum Anführer der Kavallerie gemacht.

Aber von ihm, der Rose und mir, wird ein andermal berichtet werden müssen. Es ist noch zu früh. Viel zu früh.

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