Live and let die

Ein weiteres Mal ist viel geschehen. Und ein weiteres Mal finde ich kaum die Zeit niederzuschreiben, worum es geht. Ich will es versuchen. Abermals.

Die Kavallerie wächst weiter. Felan, ein neuer Rekrut, wurde, ehe ich ihn an Lluvia weiterverwieß, von mir persönlich getestet. Und ich gestehe, ich war das erste Mal von einem Neuling derart beeindruckt. Er war äußerst findig – und seine Informationen zutreffend. Die Frage konnte kaum richtig beantwortet werden. Aber er hat die Aufgabe dennoch mit Bravour gelöst. Ich habe ihn Lluvia persönlich empfohlen.

Und da wir gerade von Regen schreiben… Ich wünschte, es gelänge mir in Worte zu fassen was genau unsere Loyalitäten bindet. Allein, genau diese Worte fehlen mir. Dennoch, es besteht kein Zweifel mehr an seiner Verbundenheit zum Haus. Zumindest nicht für mich. Ich bete die anderen mögen ihm ebenso vertrauen können. Vielleicht nicht unbedingt mit den gleichen Mitteln.

Gestern meldete sich Sanguisa zurück. Ich sah sie selten so unverhüllt. Sie sah gut aus, war sogar – hilfsbereit. Laut ihrer Aussage ist auch Wogenwolf zurückgekehrt. Es ist gut die Schwerthände zurückzuwissen. Bleibt die Frage was in aller Welt eigentlich aus Charls wurde. Ich sollte sie danach fragen.

Nach einem Streit mit Nimrothir traf ich Drakon. Und was immer zwischen seinem neuen Bruder und mir gewechselt wurde – so söhnten wir uns am Ende dennoch aus, unter seinen Augen. Wichtiger jedoch ist dieses eine Wort, welches später fiel. Er würde es nie laut und unter Zeugen wiederholen, das weiß ich. Aber… Er nannte mich abermals Bruder. Das ist so lange her… Bruder.

Ein Streit also mit Nimrothir. Es ging um Respekt. Ehre. Liebe. Und was davon wir im jeweils anderen sehen würden. Wüßte ich es nicht besser, wäre er nicht so distanziert, ich würde glauben, daß die Prüfung, welche ich stellte, welche er nicht bestand, in genau darin tatsächlich traf. Letztendlich erließ ich sie ihm. Keineswegs aus Gnade. Jedoch erkenne ich an, auch wenn er in jenem Verhalten wenig von einem Mann für mich hatte, daß er versuchte nach dem Besten zu handeln. Jedoch zerstört er Träume, verachtet – wie sein Bruder – alles und jeden, der möglicherweise Macht hält. Wie mit Sethur verhält er sich auch mit ihm. Es gibt keine gute Art zu führen. Hat man ihren Glauben an die Führung so erschüttert? Und wenn, wie kann ich ihnen beiden diesen Schmerz nehmen? Oder kann ich es gar nicht. Nein, daran möchte ich nicht glauben. Auch ihn werde ich nicht im Stich lassen.

Es ist leicht jenen zu helfen, die es verdienen. Zu helfen, wer es nicht verdient – das ist wahre Noblesse. Aber bin ich das? Oder vielleicht täusche ich mich doch nur selbst. Wofür ich bete, weiß ich.

Im Zuge dieser Prüfung ging es um Damares. Alte Liebe. Und, genau deswegen, auch Morferth. Ich habe so lange nicht an ihn gedacht. Er war, sogar zu Zeiten meines Todes, ein guter Freund. Er hätte mir, hätte er den Befehl erhalten, einen guten Tod gegeben. So glaube ich zumindest. Nimrothir kann seine Spuren nicht füllen. Sogar ich weiß, daß er das nicht soll. Aber geprüft wird er dennoch werden. Die Prüfung muß sich nur wandeln. Für sie. Für ihn. Und für ihn.

Nach langer Wartezeit führte ich auch endlich ein weiteres Gespräch mit der Medica, Iyrawen. Wir sprachen über Ehen, Bastarde, Kriege und Kinder. Immerhin war sie ehrlich. Dennoch fürchte ich, was sie zu sagen hatte. Nicht, weil sie schaden will. Denn ich glaube wir wissen voneinander, daß uns nichts ferner läge. Aber tröstende Worte, gar Zuversicht zu finden, viel mir schwer. Ich kann dieses Gewicht nicht von ihr nehmen. Andere werden ihre Füße bewegen müssen. Bewegt sie die ihren zuerst, werde ich handeln müssen, egal wie sehr es mir widerstreben mag. Ihren Verlust würde ich dem Auslöser niemals vergeben. Nicht das Feuer, welches mich rettete.

Meine Rose, geliebter Wind, trat hinzu bei einem Gespräch mit Lluvia vor wenigen Tagen. Und wieder bin ich überrascht. Sie wirkte ruhig. Neugierig. Kein Urteil in ihrem Blick. Kann es wahr sein, daß ein Teil von ihr es sogar wünscht? Bereitet ihr das Freude? Wer sind wir schon alle, daß wir uns selbst längst nicht mehr erkennen.

Am gewichtigsten jedoch sind die Befehle, welche mich gestern erreichen. Unter dem Baum Gondors und dem Siegel des Truchsess werde ich zu ihm gerufen. Damit man mir sagen kann, ich habe ein Kontingent zu stellen. Damit wir Feiglinge werden können. Wenn ich nur wüßte, wie es zu verhindern ist. Der falsche First und seine treuen Mauern werden bluten müssen, finde ich keine Lösung.

Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.
Trackbacks are closed, but you can post a comment.

Leave a Reply