Ride of the Dragon

Schnee ist toter Regen. Asche ist totes Feuer. Toten Wind gibt es nicht. Es gibt immer Luft. Sie bewegt sich nur manchmal nicht. Und auch die Erde kennt den Tod nicht.

“Montaña! Miráte!” Die Hände ineinander gefaltet und auf einem Stuhl sitzend, den Stock an selbigen gelehnt, achtete Alejandro auf das Kind bei den allmorgentlichen Reitübungen. Und wie jeden Morgen brütete er über den Bewegungen des Pferdes, ein wundervoller Rappe, und der Haltung des zugehörigen Reiters.

Bis er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Er mußte nicht aufblicken um zu wissen, wem sie gehörte. Er kannte das Gewicht, kannte die Beschaffenheit der Glieder, kannte den Geruch sehr genau. Ohne sich ansonsten zu rühren schloß er die Augen und verbarg das leicht aufkeimende Lächeln hinter den nach wie vor gefalteten Händen. “Ihr macht euch stets Sorgen. Sollte es so verwunderlich sein, wenn er gut reiten kann? Wie sein Vater?”

Angedeutet schüttelte er den Kopf. “Nein, wohl nicht… Bedenkt man die Herkunft seiner Mutter ist er für Pferde geboren. Lluvia hat ihm ein gutes Tier ausgesucht, Viento. Das muß man ihm lassen.” Die Hand an seiner Schulter drückte sacht zu. Er konnte ihr Lächeln erahnen. “Dennoch. Er könnte fallen, Viento.”

Ihr Lachen war gläserne Erlösung. Er hörte es nach wie vor viel zu selten. Was an sich wenig überraschend war. Er hätte es stet hören können, und es wäre ihm dennoch zu wenig gewesen. “Ihr werdet alt, Fuego. Früher hättet ihr Neid besser zu verbergen gewußt. Ihr seid keine elf mehr.” Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. “Ihr hättet Lluvia nicht zurücklassen sollen. Er hätte euch aufmuntern können.”

“Er wird in der Stadt gebraucht. Ellena und mein Bruder brauchen jede Unterstützung, die sie haben können. Gerade die Kavallerie. Was haben sie schon ohne Augen und Ohren in der Hand?” Schweigen. Beide hatten Recht. Es war eine Entscheidung gewesen, die in jedem Fall richtig und in jedem Fall falsch gewesen war. Aber in eine Richtung hatte sie auszufallen.

Montaña hatte inzwischen die letzte Runde vollendet und lenkte sein Pferd auf die beiden Erwachsenen zu. Strahlend sah er sie an. “Ich habe einen Namen für ihn!” Es mochte seltsam anzusehen sein, daß Lynne sogar jetzt, als sie vortrat um den Jungen vom Pferd zu heben, nach wie vor die Uniform der Hauswache trug. Wie eine zweite Haut, die sie eigentlich nie wirklich ablegte. “Sombra!”, verkündete der Junge stolz.

Alejandro mußte schmunzeln. “Ein guter Name.” Auch Lynne schüttelte schmunzelnd den Kopf während sie den Bengel zu seinem Vater trug.  Er nahm ihn auf seinen Schoß und hob den Kopf gen Lynne. “Wo sind die anderen?”

“Sie warten auf ihren Bruder. Innen.”

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