Viento. Ich vermisse euren Wind unter meinen Flügeln. Manche Dinge zu erahnen tut mehr weh, als sie wirklich zu sehen. Doch laßt miczh berichten, meine Rose.
Als ich vor zwei Tagen zum Haus der Gemeinschaft zurückkehrte, traf ich Alrich und Sethur dort. Da der Junge sich nach wie vor nicht im Stande sieht zu vertrauen, bat ich beide zu mir hoch. Der Einzige, der ihm auch nur im Ansatz etwas zu bedeuten scheint, ist Alrich selbst. Was ihn nicht davon abhält sein Urteil für eine äußerst schlechte Wahl zu halten.
Alrich – wird älter. Und man merkt es mehr und mehr. Dank mir ist seine Rechte nicht zu gebrauchen. Ein Soldat, der nun als Kämmerer herhalten muß, dank der Geschichte, welche uns verbindet. Sethurs Geist ist schärfer. Er würde für die Position taugen, wäre er nur kein so elender Dickschädel und nicht so geprägt durch das, was er früher glaubte zu sehen. Der Alte drückt ihn durchaus in die richtige Richtung. Und ich habe zu lange verdrängt, daß ein neuer Kämmerer bedeuten würde, den alten zu verlieren.
Ob es besser so ist? Ja, ich denke Alrich hat sich Ruhe verdient. Oder zumindest wieder die Aufgaben zu erfüllen, welche er gewohnt ist von alten Tagen. Welche er beherrscht. Welche er mochte. Für welche er lebte. Statt die Formen und Floskeln zu leben und zu lernen, die für ihn doch nur leer sind. Brummen um Brummen.
Dennoch. Als er ging fühlte es sich an, als würde man jemandem zusehen, der in den Tod geht. Dabei ist es noch so lange hin. Jedoch fühle ich mich, als hätte ich einen Vater verloren. Er und Ardeyn erfüllen dieses Wort so viel besser, als es der Mann, der sich den Titel durch Blut aneignete, je tat. Ich habe in jener Nacht um ihn geweint. Und ich fürchte den Tag an dem ich höre, daß er nicht mehr ist. Möge er noch weit in der Zukunft liegen.
Was bekomme ich dafür als Ausgleich? Alrich hieß Sethur, er solle mir ein Freund sein. Aber… Dafür ist er zu verbohrt. Sieht den Titel, sieht das, was er für Hochmut hält. Sieht Demagogie wo Freundschaft ist, zu den anderen. Sieht Schafe, die angeblich blind folgen. Dabei tut es nicht einer von ihnen, schon gar nicht blind.
Kämmerer wird nun also ein Mann, der mir nicht traut. Und wie soll ich ihm so trauen? Sein Bruder bat mich, au fihn zu achten. Bat mich, ihm einen Platz zu bieten. Bat mich, ihn zu führen. Und das wrede ich.
Aber ich höre seine Worte, voller Verachtung für das was ich bin, für das was die anderen sind – unter mir, wie er sagt. Und ich spüre wie auch in mir die Verachtung Wurzeln schlägt. Kann er sie beseitigen? Ja. Aber meine Furcht ist, er schändet Alrichs Andenken und wird es nichtmal versuchen.
Die Valar mögen ihm vergeben.
Sie mögen mir vergeben.
Ich muß zurück. Ihre Wärme finden. Ihren Frieden. Muß wieder hören, was wächst. Sie geben so viel Ruhe. Wind… Das Neue… Regen… Sie sind so nah und fehlen mir dennoch stet. Ja, ich muß zurück.
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