Unsent

Mein geliebter Wind,

Es wird Euch schwer fallen zu glauben, was ich Euch zu berichten habe. Wäre ich nicht selbst dabei gewesen, ich würde es wohl selbst für Seemannsgarn halten, wäre ich ein Seemann. Zu unser beider Glück habe ich einen anderen Werdegang als diesen.

Im Laufe des Tages erhielt ich Antwort auf meine Anfrage an Sonnenwind, durch Yaerdis persönlich. Es überrascht mich nach wie vor, daß das Ansinnen auf erneute Kontaktaufnahme mit derartigem Mißtrauen aufgefaßt wird, bedenkt man, daß es ausgerechnet eben jene Yaerdis war, die seinerzeit den Kontakt zu uns suchte. Sicherlich gibt es dafür eine Erklärung. Anscheinend jedoch stellt man Constancias Lebenswandel gehörig in Frage. Man scheint sich nicht bewußt, daß sie zu uns stieß um ein neues Leben anzufangen. Und wie wir alle hoffen dürfen, ein besseres. Auch scheint man der Auffassung es würde jemand gezwungen den Eid abzulegen, oder auch nur in den Haushalt aufgenommen zu werden. Ich bleibe der Meinung, bestimmte Regeln sind notwendig. Vielleicht nicht unter Elben, jedoch… Wir sind keine Elben. Ich bin kein Galcyll Stillwind. Und die Männer und Frauen des Hauses könnten einen Mann wie ihn auch nur wenig brauchen. Vielleicht sollte ich Yaerdis einfach an ihn verweisen.

Was den Eid angeht trat gestern noch jemand auf mich zu. Immertreu, welche ich längst verloren glaubte. Sie bat aus dem Eid entlassen zu werden, bat jedwede Dienste freiwillig erfüllen zu dürfen, statt durch den Eidbund. Dennoch will sie dem Haus – uns allen – die Freundschaft halten. Darüber hinaus hat sie sogar die Liebe gefunden in Myrsan. Sie sagt, es wäre nicht möglich gewesen, hätte sie zuvor nicht die Art von Zuflucht gefunden, welche sie in Minas Faer hatte. Zwar entließ ich sie nicht gern aus dem Eid, jedoch glaube ich es gelang irgendwie ihr ihr eigenes Herz zurückzugeben. Und obwohl sie den Eid verläßt, gewinnen wir alle eine treue und teure Freundin in ihr. Vielleicht könnt Ihr mir so das vergossene Blut etwas leichter verzeihen, mein Wind. 

Und dann, wenn ich es nicht erwarte, schweifen meine Gedanken wieder zu Euch. Nicht immer nur im Jetzt, manches Mal auch in längst vergangen Tagen. Seid mir nicht böse darum. Laßt es mich mit Euch teilen. 

Erinnert Ihr Euch noch an Bree? Als Ihr zu mir in dieses Kaminzimmer tratet um mir Bericht zu erstatten? Ich erinnere mich nicht mehr an die Angelegenheit an sich. Aber an Eure Augen sehr wohl. Wie Ihr das Gewicht beim sprechen verlagertet.

Oder dann später am See. Mit Eurem Wunsch, welchen ich eingestanden mit Angst nur einlösen lassen konnte. Der Streit mit Lluvia, daraus resultierend. Wie wir beide versuchten ihm alles begreiflich zu machen. Und wie wenig es uns gelang. Erinnert Ihr Euch?

Ich schon. Ihr fehlt mir während den langen Stunden des Tages. Aber Eure Wärme des Nachts läßt die kalte Sonne verblassen.

– Fuego – 

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